Neu Pistentiger

Skipionier Karl Koller stirbt mit 100 Jahren

Karl Koller in einer "Am Schauplatz"-Doku 2018 © ORF

Er prägte den Skisport, gewann das Hahnenkammrennen 1946 und hinterließ in seiner Heimat Kitzbühel bis heute markante Spuren. Am 26. Oktober ist die Legende Karl Koller im Alter von 100 Jahren verstorben.

Als Karl Koller im Jahr 1919 als jüngstes von zehn Kindern in Kitzbühel auf die Welt kommt, ist der Erste Weltkrieg erst wenige Monate zu Ende und mit Karl I. verabschiedet sich der letzte Monarch Österreich-Ungarns ins Schweizer Exil. Bei seinem Sieg des Hahnenkammrennens war der Zweite Weltkrieg erst wenige Monate zu Ende. Das sind die Zeithorizonte, die einem begegnen, schreibt man über einen Mann, der 100 Jahre alt wurde. Am Nationalfeiertag, dem 26. Oktober, ist die österreichische Skilegende Karl Koller verstorben. 

Auf seinem Geburtstagsfest im April zeigte er sich von beeindruckender Fitness. Karl Koller dirigierte nicht nur die Stadtkapelle und stieß mit seinen Gästen – von Ernst Hinterseer bis Peter Schröcksnadel – an, er trug auch zwei seiner selbst verfassten Gedichte vor – auswendig. Damals, am 16. April 2019, sagte er außerdem: „Ich möchte den Tag mit den zwei Nullen hernehmen, um Danke zu sagen. In erste Linie meiner Partnerin Ida. In den 20 Jahren, in denen wir beinand sind, haben wir praktisch nie gestritten. Dafür möchte ich herzlich danken.“ Gekannt haben sich die beiden ein Leben lang, aber gefunkt hat es erst, als beide Witwer waren.

Karl Koller mit seiner Familie auf der Feier anlässlich seines 100ers im April 2019 © Skiing Penguin

Zeitlebens stand Koller auf Ski und machte sich als Rennläufer ebenso einen Namen wie als Skilehrer. Zur Legende avancierte er nach dem Zweiten Weltkrieg – zuerst mit dem eingangs erwähnten Triumph beim Hahnenkammrennen 1946. Der gebürtige Kitzbüheler über das Rennwochenende ein Jahr nach Kriegsende: „Wir sind mit den Abfahrtsski auch Slalom gefahren – weil niemand ein zweites Paar Ski gehabt hat“, erinnert er sich. Die Abfahrt auf den Holzlatten war ein fast kriminelles Unterfangen, denn es hatte die ganze Nacht bis zum Start geregnet und die Piste (ohne Richtungstore!) war extrem eisig. Der coole Koller dachte dennoch vor dem Start: „Najo, fohr ma holt.“ 1946 wurde er sowohl in der Abfahrt als auch im Slalom in seiner Heimatstadt Kitzbühel Zweiter und entschied so die prestigeträchtige Kombination für sich. Bis letzten Samstag war er der älteste noch lebende Hahnenkammsieger.

Endgültig zum Fixstern in der Kitzbüheler Geschichte avancierte er nach seiner aktiven Laufbahn mit der Übernahme der Skischule von Sepp Sailer, dem Onkel von Toni und Rudi, in der Saison 1949/1950: Gemeinsam mit Künstler Alfons Walde entschloss sich Koller, den Betrieb besser zu vermarkten und bekannter zu machen. Der Maler entwarf Werbeunterlagen, Plakate sowie das Bild mit dem „Roten Teufel“, was die Geburtsstunde der bis heute gleichnamigen und berühmten Skischule war. Koller wünschte aber auch ein Branding seiner „Pisten-Pädagogen“ und einer roten Zipfelmütze folgte bald ein roter Pullover, den jeder Mitarbeiter trug. Karl Koller leitete die Geschicke bis 1975, aber bis heute sind die Skilehrer der „Roten Teufel“ in sattem Rot unterwegs – allerdings wurde der Pulli zu einem Skianzug. Seine visionären Ideen wurden auch anlässlich seines 100. Geburtstages im April 2019 in ausnahmslos allen Reden gewürdigt. Josef Burger etwa sagte: „Du hast immer die Schneid und den Mut für die Zukunft gehabt.“ Der Vorstand der Bergbahn AG Kitzbühel betonte, dass Karl Koller sowohl in Sachen „Content is King“ als auch hinsichtlich „Branding“ ein Vorreiter gewesen sei, noch ehe die Begriffe Jahrzehnte später in den Marketing-Wortschatz Einzug gehalten haben.

Auch als Obmann des Kitzbüheler Fremdenverkehrsverbandes zwischen 1968 und 1972 hinterließ er Spuren, die bis heute zu sehen sind: So dachte sich Karl Koller etwa das riesige Neujahrsfeuerwerk aus – allerdings am Abend des 1. Jänner und nicht etwa für die Silvesternacht.

Den Ski-Weltcup verfolgte er bis zur letzten Saison mit großem Interesse. Allerdings ohne Ton: „Die Vorberichte und das ganze Geplapper sind mir zuwider“, verriet Karl Koller zu seinem 100. Geburtstag der Tiroler Tageszeitung. Dem aktiven Skisport sagte er „Pfiat di“, allerdings erst vor acht Jahren. 

Seine Liebe zum Skisport geht über seinen Tod hinaus, denn anstelle von Blumen und Kränzen wünscht sich Karl Koller, das Geld lieber der Jugend des Kitzbühler Ski Clubs zu spenden. Auf seiner Parte steht zu lesen: „Mein sehnlichster Wunsch: Wenn es einmal soweit ist, möge mich ein Engerl direkt in den Kitzbüheler Skihimmel mitnehmen.“ (hier gehts zur Parte).  Das Begräbnis findet am 31. Oktober in seiner Heimatstadt statt.