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Vom Skifahren auf dem weißen Band

Das weiße Band auf dem Resterkogel © Skiiing Penguin
Das weiße Band auf dem Resterkogel © Skiiing Penguin

Auf dem Resterkogel in Mittersill erfolgte der Saisonstart der Bergbahn AG Kitzbühel – mitten im Herbst, am 19. Oktober. Skifans, Nachwuchs und Bergbahn sind begeistert, die Grünen gar nicht. Ein Lokalaugenschein.

Es ist kein normaler Herbstmorgen im Oktober, wenn am Parkplatz an der Panoramabahn in Mittersill gleich zwei Einweiser arbeiten. Es ist auch mehr als ungewöhnlich, dass gegen 8.15 Uhr schon rund 60 Autos ihr Plätzchen gefunden haben. Die Kennzeichen allein lassen keine Rückschlüsse zu, denn sie reichen von A (für Augsburg) über BA (Bamberg), DN (Düren), HA (Hallein), KB (Kitzbühel), LZ (Lienz), IL (Innsbruck-Land), M (München), RO (Rosenheim) sowie SZ (Schwaz) bis ZG (Zug) und ZE, was für Zell am See steht, dem Bezirk wo wir uns befinden.

Der 19. Oktober 2019 ist in den Kitzbüheler Alpen auch kein Tag wie jeder andere, denn heute findet das Ski Opening statt. Auch Tageshöchstwerte von bis zu 12 Grad tun dem Start in die Wintersaison keinen Abbruch. 700 Meter Länge und 60 Meter Breite weist die Piste auf dem Resterkogel auf. Wir befinden uns zwar in Salzburg, das Gebiet zählt jedoch zum südlichsten Zipfel des Skigebietes Kitzbühel. Verantwortlich für das 80 Zentimeter hohe weiße Band inmitten einer Herbstlandschaft ist die Bergbahn Kitzbühel. Seit fünf Jahren startet das Seilbahnunternehmen Mitte Oktober auf der Resterhöhe in die Saison und ebenso lang stößt man mit der Aktion, auf Kritik – in und außerhalb Tirols.

 

Direkt vor Ort ist davon freilich nichts zu merken, aber mit Demonstrationen an der Panoramabahn oder an der Piste war auch nicht zu rechnen. Wer dem weißen Band kritisch gegenübersteht, bleibt ihm fern. Gekommen sind Hunderte besessene Ski-Fans, ein Snowboarder und viele Nachwuchsteams, die ihre ersten Schwünge fern der Gletscher in den alten Schnee ziehen konnten. Gefahren wird auf konserviertem Schnee aus der Vorsaison, der unter Isolierplatten und -Planen den Sommer über auf der 1900 Meter hohen Resterhöhe lagert – ohne Chemie und ohne Kühlung. Das sogenannte Snowfarming lief laut Angaben der Bergbahn heuer übrigens besonders gut, denn es gab während den Sommermonaten nur eine Abschmelzung von 13 Prozent. Die Verhältnisse sind für die Jahreszeit tadellos – insbesondere zwischen 8.30 und 10 Uhr. Mit zunehmenden Temperaturen wird der Schnee freilich patzig und schwer zu befahren.

Natürlich unterstreicht die Bergbahn AG Kitzbühel mit dem frühen Saisonstart vor allem ihr Motto „Die Ersten am Berg“, denn derzeit lässt es sich sonst nur auf den Gletschern Ski fahren. Im Oktober verkaufte man bislang 7730 Saisonkarten – ein Plus von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Aber die Resterhöhe avancierte in den letzten Jahren vor allem zu einem leicht erreichbaren Trainingseldorado für Skiteams aus Österreich und Deutschland. Mit Stand 17. Oktober sind 550 Trainingslinien diverser Nachwuchs- und Weltcupteams gebucht. Außerdem finden bis Weihnachten 26 Rennen statt.

Heftige Kritik an dem weißen Band zwischen grünen Hängen kommt vor allem von Seiten der Tiroler Grünen: „Wenn du dort mit der kurzen Hose stehst, neben dir Wanderer vorbeigehen und du dieses aufgehäufte weiße Elend siehst, das zu einem Pistenschlauch zusammengekratzt wurde, dann ist die Piefke-Saga in die Realität umgesetzt“, empören sich Tourismussprecher Georg Kaltschmid und Klubobmann Gebi Mair in einer Aussendung. „In Zeiten der Klimakrise ist das nur mehr grotesk, was die Kitzbüheler Bergbahnen aufführen. Das ist Skitourismus mit der Brechstange, wie ihn Tirol weder braucht, noch notwendig hat.“ 

„Wir pumpen Millionen in die Werbung der Tiroler Naturschönheit und dann bekommen Menschen aus aller Welt solche Bilder zu sehen. Das macht so ziemlich alles kaputt“, erklärt Georg Kaltschmid. In Tirol gebe es durch die Gletscherskigebiete ausreichend Möglichkeiten, schon im Herbst die Ski anzuschnallen. Naturschutzsprecher Gebi Mair meint: „Wer hier die Augen verschließt, der verschließt die Augen vor der Klimakrise. Es muss endlich ein Machtwort an die Seilbahner gerichtet werden, dass so ein Verhalten nicht länger geduldet wird“.

Josef Burger, Vorstandsvorsitzender der Bergbahn AG Kitzbühel, entgegnet den Kritikern: „Wichtig ist für mich, dass das, was wir hier machen, sowohl ökologisch nachhaltig als auch ökonomisch sinnvoll ist. Wem das trotz allem nicht gefällt, der kann freilich eine andere Meinung haben und die respektiere ich. Aber die Fakten lassen sich nicht biegen. Wir konservieren Schnee und Energie ökologisch. Wir übersommern den Schnee mit Materialien, die wir wiederverwenden können. So reduzieren wir etwa die Fahrstrecken der Skifahrer auf die Gletscher.“ (Zum ausführlichen Interview mit Josef Burger geht es hier).

Josef Burger, Chef der Bergbahn AG Kitzbühel, auf dem Resterkogel © Skiing Penguin

Eines ist gewiss: Die Diskussion um das weiße Band wird es auch 2020 geben, denn die Grundlage für die Schneedeponierung beruht auf einer naturschutzrechtlichen Bewilligung und die wurde der Bergbahn Kitzbühel bis 2034 erteilt.