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Der unbekannte Weltcupski

Johan Brolenius im Augment-Werk © Skiing Penguin
Johan Brolenius im Augment-Werk © Skiing Penguin

Gegründet unter dem Namen Croc versuchen Pinzgauer Skibauer heuer unter dem neuen Namen Augment im Weltcup bekannt und erfolgreich zu werden. Superstar unter ihren Athleten ist Riesentorlaufspezialist Philipp Schörghofer, der am 2. Dezember sein Comeback geben wird. 

Am Sonntagabend werden alle 18 Augenpaare der Augment-Mitarbeiter kurz zu leuchten beginnen. Allerdings nicht der ersten Kerze auf dem Adventkranz wegen. In Beaver Creek startet das heißeste Eisen des kleinen Skiproduzenten aus dem Salzburger Pinzgau in die Saison: Philipp Schörghofer gibt im Riesentorlauf nach über einem Jahr Pause sein Comeback – auf Skiern aus Stuhlfelden, einer Gemeinde mit 1600 Einwohnern bei Mittersill.

Bislang dürfte Augment nur den allergrößten Skisportinsidern ein Begriff gewesen sein. Seit 2015 gibt es das Unternehmen, unter dem aktuellen Namen firmiert es allerdings erst seit heuer. Bis zur freundlichen Vorwarnung eines US-Schuhherstellers mit fast identischem Namen war man als Croc unterwegs und versorgte etwa den heuer zurückgetretenen Tim Jitloff mit Skiern. Gegründet wurde Croc Sports damals von den erfahrenen Weltcup-Serviceleuten Michael und Albert Kogler, Skibauer Franz Angerer und Jukka Peltola. Treibende Kraft war der Finne, der nicht einsehen wollte, dass nicht jedem Skifahrer die gleiche Qualität an Skiern zur Verfügung gestellt wurden.

Skibauer Andi Lackner beim Biegen © Skiing Penguin
Skibauer Andi Lackner beim Biegen © Skiing Penguin

Salesmanager Johan Brolenius präzisiert die Ausgangsposition: „Wenn du Marcel Hirscher heißt, kriegst du von deinem Ausrüster natürlich alles. Wenn du aber zum Beispiel die Nummer 19 der Weltrangliste bist, musst du das Material fahren, das für andere entwickelt wurde.“ Augment stellt je ein Modell für Riesentorlauf, Slalom, Abfahrt und Super-G her „und von dem wissen wir, dass es funktioniert. Vielleicht nicht für Marcel Hirscher, aber in unserer Range – also für unsere Rennläufer. Und jeder kann es kaufen“, sagt der gebürtige Schwede.

Die Individualität liegt darin, dass jeder Ski in Stuhlfelden handgefertigt wird und auf Gewicht, Größe, Können und Technik angepasst wird: „So eine Spezialisierung funktioniert bei den großen Mitbewerbern nicht. Wenn du beispielsweise im Europacup fährst, kriegst ein paar Ski und damit musst du klar kommen. Du kannst nicht sagen, die sind mir zu steif“, erklärt Johan Brolenius, einst selbst über zehn Jahre lang Weltcupläufer im Slalom.

Mike Kogler, einer der Gründer von Croc bzw. Augment © Skiing Penguin
Mike Kogler, einer der Gründer von Croc bzw. Augment © Skiing Penguin

Die große Hoffnung für Augment ist heuer natürlich Philipp Schörghofer (35). Die ersten Punkte fuhr allerdings Gabriela Capova (25) ein, als die Tschechin im Slalom von Killington 19. wurde – mit Startnummer 42. „Weltcup-Läufer in unseren Reihen zu haben ist sehr wichtig, denn wir vermarkten uns als Rennskifirma. Im Weltcup müssen wir präsent sein“, betont Johan Brolenius. „Gewinnen werden wir so schnell wahrscheinlich nicht, aber für uns ist es wichtig, dass wir Fernsehsekunden bekommen. Am liebsten hätten wir Athleten, die Slalom und Riesentorlauf fahren und sich immer unter die Top 30 platzieren“, beschreibt Johan Brolenius seine Idealvorstellung.

Schwer sei es bislang nicht, Weltcup-Läuferinnen und -Läufer für Augment zu begeistern, aber sehr teuer: „Nach 3000 Paar im Vorjahr, stellen wir heuer 6000 Paar Ski her und von diesem Kuchen sollen wir ein Rennbudget aufstellen”, sagt Johan Brolenius. Das betrage heuer immerhin zwischen 200.000 und 250.000 Euro für alle Augment-Rennfahrer von Schweden über Finnland, Tschechien bis Österreich. Aus finanziellen und perspektivischen Gründen versuchen die Salzburger daher vor allem junge Skifahrer vom Europacup in den Weltcup hinein zu begleiten: „Aber das ist ein Prozess, der Jahre dauern kann.“

Mit der Nachfrage besonders zufrieden sei man in Brolenius’ alter Heimat: „In Schweden sind für junge Läufer von den arrivierten Herstellern halt keine g’scheiten Ski zu bekommen. Dann probieren sie Augment und sind zwei Sekunden schneller. Dann ist es auch egal, ob wir 200 Euro teurer sind. Unsere Konkurrenten stellen keine Spitzenprodukte im Jugendbereich her, wir schon“, zeigt sich Johan Brolenius, der seit 17 Jahren in Innsbruck lebt, selbstbewusst.

Schörghofer ist „super happy“

Für Philipp Schörghofers Weltcuppremiere auf Augment wäre für den Salesmanager ein Platz in den Top 15 ein Traum. Der Riesentorlaufspezialist selbst, will sich auf ein Wunschergebnis nicht einlassen: „Ich habe momentan noch kein Resultat im Kopf. Mein Ziel ist es entschlossen zu fahren, dann ist viel möglich.“ Mit seinem Knie ist er zufrieden, mit der Form ebenso („Sie wird immer besser.“). Und wie geht es dem Salzburger mit dem neuen Material? „Damit bin ich super happy. Mein Servicemann Ali und ich sind ein super Team und auch die Leute direkt in der Firma geben alles. Das fühlt sich einfach perfekt für mich an“, streut Schörghofer seinem Ausstatter Rosen. Wie feierlich der 1. Advent für ihn und sein Team in Stuhlfelden wird, zeigt sich am 2. Dezember ab 17.45 Uhr.