Pistentiger

„Ich glaube nicht, je einen Tag in meinem Leben richtig gearbeitet zu haben“

© Facebook/Warren Miller
© Facebook/Warren Miller

Warren Miller, amerikanischer Film-Pionier mit einem Werk von über 500 Skistreifen, starb im Alter von 93 Jahren.

Wie kein Zweiter gestaltete Warren A. Miller die Landschaft des Skifilmes. Seine bahnbrechenden Filme steckten Generationen von abenteuersuchenden Schneesportliebhabern mit seiner Leidenschaft für die pure Freiheit auf Ski an. Am Mittwoch verstarb Miller im 94. Lebensjahr in seinem Haus auf Orcas Island im Bundesstaat Washington.

In seiner Karriere produzierte Miller mehr als 500 Actionsportfilme, sein Name, der von der Sport-Medien-Firma „Warren Miller Entertainment“ übernommen worden ist, gilt in Nordamerika als geläufiges Synonym für Schneesportabenteuer. Seinen ersten Skifilm zeigte Miller 1949 in kleinen Veranstaltungsräumlichkeiten in amerikanischen Skigebieten. Von da an war er mehr als drei Jahrzehnte rund 175 Tage im Jahr unterwegs, um seiner Leidenschaft für den Skifilm nachzukommen. Seine Arbeit bezeichnete er als „Akt der Liebe“ und sagte in einem Interview mit The Times im Jahr 2010: „Ich glaube nicht, je einen Tag in meinem Leben richtig gearbeitet zu haben.“

Mit der Zeit wagte Miller auch den Blick über den nordamerikanischen Tellerrand und reiste mit seinen Kameraleuten in Gebiete, die niemand zuvor eingefangen hat. Seine Filme aus den 80er und 90er Jahren zeigten dem Publikum exotische Locations in Übersee und konnten eine Besetzungsliste internationaler Ski-Legenden aufweisen: Jean-Claude Killy, Stein Eriksen und Otto Lang waren nur einige von ihnen. Später featuren die Filme Sportstars wie Shane McConkey, Chris Davenport oder Sage Cattabriga-Alosa.

Millers Streifen bestehen zu gleichen Teilen aus Reiseberichten, imposanter Kameraführung und Slapstick. Für seine unzähligen Fans in der Community stellte die Präsentation des jährlich neuen Miller-Films nicht nur den Startschuss für die neue Saison dar. Vielmehr war der Streifen ihr Manna an majestätischen Bildern von klirrend kalter Luft und meterhohem unverspurten Tiefschnee, während sich die Berge noch im grünen Kleid zeigten. In der Regel beginnen die Filme mit Ski- oder Snowboard-Sequenzen der Weltelite. Vom Hubschrauber werden Top-Athleten zu irrsinnig anmutenden Einstiegen auf unerreichbar scheinenden Gipfeln geflogen, deren elegante Abfahrt von dröhnender Rock-Musik begleitet. Es sind Bilder, die seine schneesüchtigen Fans in pure Extase versetzen. Die Atmosphäre bei seinen Filmvorführungen beschrieb Miller 1985 im Gespärch mit der Seattle Times wie wenn man „einen Porno auf einem Flugzeugträger zeigt, der seit sechs Tagen nicht mehr im Hafen war“.

Weit ikonischer als die unvergleichlichen Bilder war aber Millers Stimme. Von Beginn an erzählte er die Geschichte seiner Filme aus dem Off, anfangs noch live. Seine Stimme war in der Ski-Community so bekannt, dass ihm seine Frau beim Anstellen in der Liftschlange kurzerhand das Sprechen verboten hat – zu groß war die Gefahr, dass er von überschwänglichen Fans erkannt und nicht mehr in Ruhe gelassen wird.

Warren A. Miller wurde am 15. Oktober 1924 in Hollywood geboren. Seine Kindheit war alles andere als idyllisch. Durch die große Depression verlor sein Vater seine Anstellung und die Familie hat Schwierigkeiten, regelmäßig Essen zu beschaffen, schrieb Miller in seiner Autobiografie „Freedom Found“. Im Alter von zwölf Jahren kaufte sich Miller seinen ersten Fotoapparat, mit dem er seine Freunde fotografiert und Abzüge verkauft hat. Es war der Start von einer „sehr, sehr teuren Art, meine Welt zu dokumentieren“, so Miller in „Freedom Found“.

Mit 15 Jahren kaufte er sich seine ersten Ski. Er verinnerlichte das legendäre Buch „Downhill Skiing“ vom Skischulpionier und späteren Filmproduzent Otto Lang und versuchte seine ersten Schwünge am Berg. Ein Erlebnis, das den Rest seines Lebens nachhaltig beeinflusst hat: „Wenn man einen Berg zum ersten Mal in seinem Leben auf Ski hinabfährt, ist man ein anderer Mensch. Wenn auch nur für eine Minute – ich habe dieses Gefühl erlebt und es war der erste Schritt in eine Richtung, der ich mein ganzes Leben lang folgen werde.“

Anfang 20 begann Millers Karriere als Filmemacher. Er brachte sich das Filmen bei, reiste durch die USA und filmte sich und Skifreunde. Zu diesen zählte bald auch Otto Lang, der die moderne Skitechnik in den 1930er Jahren von Europa in die USA brachte. Der Freundeskreis des Skifanatikers wuchs mit dem immer bekannter und größer werdenden Werk Millers, wie auch seine Reputation. 1978 wurde er in die „U.S. Ski Hall of Fame“ eingeweiht, 1995 in die „Colorado Ski Hall of Fame“. Im Jahr 2004 erhielt Miller von der International Skiing History Association den Preis für sein Lebenswerk. In der Ski-Landschaft hinterlässt Miller, der sich bis zuletzt für die wirtschaftliche Freiheit des Skisports eingesetzt hat, eine große Lücke.

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