Pistentiger

50 Jahre Heidi-Hotel am Falkert: Eine fast märchenhafte Geschichte

Skifahren lernen direkt vor dem Hotel © Heidi-Hotel
Skifahren lernen direkt vor dem Hotel © Heidi-Hotel

Vor 50 Jahren erlebte der bis dahin unerschlossene Falkert dank Pionier Hermann Köfer seine erste Wintersaison. Heute betreibt dessen Enkel Lukas das Heidi-Hotel auf dem idyllischen Kärntner Berg, dessen Lifte im Sommer vor dem endgültigen Aus standen. Für ihn ein „Traumjob“. 

Es war eine Mischung aus Pioniergeist und positiver Verrücktheit, die Hermann Köfer im Jahr 1965 auszeichnete. Der Gast- und Landwirt aus Pörtschach suchte damals nach einem zweiten Standbein, das ihm auch im Winter Beschäftigung und Einkommen bot. Für jene Zeit, zu der es um den Wörthersee einfach zu still ist. Verliebt hat er sich just in den unerschlossenen Falkert, auf dem es weder Strom noch eine Wasserversorgung gab und auf den zu der Zeit auch keine asphaltierte Straße führte. Köfer hat es jedoch die Idylle auf 1875 Meter Seehöhe inmitten der Nockberge und der kristallklare Bergsee angetan. Die Schotterstraße war so schmal, dass nicht einmal ein Baukran angeliefert werden konnte, aber trotzdem wurde das Hotel mit 35 Betten zu Silvester 1967 eröffnet. Bald entstanden zudem die Schlepper Falkert-, Sonnen und Zirmachlift.

„Wir befinden uns jetzt also in der 50. Wintersaison und haben das Jahr 2018 zu unserem Jubiläumsjahr gewählt“ freut sich Lukas Köfer, der das nunmehrige „Heidi Hotel Falkertsee“ in dritter Generation gemeinsam mit seiner Frau Julia betreibt. Aber braucht es heute nicht auch noch eine Portion Wahnsinn, um in solcher Abgeschiedenheit Hotelier zu sein? Am Falkert gibt es für seine 32 Einwohner keinen Supermarkt, keine Bank und keine Post. Bis ins nächste Dorf mit etwas mehr Infrastruktur sind es acht Kilometer bergab – nach Patergassen auf 1100 Meter Seehöhe. „Es braucht überhaupt keinen Wahnsinn“, betont der 35-jährige Köfer. „Allerdings viel Ideologie, Überzeugung von dem was man tut, Freude an der Arbeit und den damit verbunden Herausforderungen.“ Seit 2006 arbeitet er im Hotel, seine Frau seit 2011. Im Jänner 2017 erfolgte die offizielle Übergabe durch die Eltern Hans und Gisela Köfer. „Mein Bruder und ich waren mit unserem Berg immer schon stark verwurzelt.  Zudem haben wir anderswo auch gesehen, dass es vollen Einsatz braucht, wenn man was erreichen will, also warum nicht gleich dort wo man sich am wohlsten fühlt“, beschreibt Lukas Köfer seinen Antrieb. Sein Bruder Florian betreibt die Skischule „Snowlove“ auf der Turrach und ist Geschäftsführer der Heidi-Alm am Falkert.

Das Heidi-Hotel mit dem Falkert-Lift im Hintergrund © Heidi-Hotel
Das Heidi-Hotel mit dem Falkert-Lift im Hintergrund © Heidi-Hotel

Während man mit zehn Kilometer Pisten nicht unbedingt als Skieldorado gilt, ist die Heidi-Alm (zwischen Mai und Oktober) seit 1995 das Zugpferd für den Falkert. 40.000 Besucher kommen Heidi und Peter wegen Jahr für Jahr auf das Kleinod in der Gemeinde Reichenau. Mitte der 90er-Jahre waren die Köfers auf der Suche nach einem neuen Maskottchen für ihren Berg. Murmeltier „Nocki“ war zwar herzig, aber es gelang ihm nicht den Falkert große Popularität zu verschaffen. Die Idee mit Heidi geht zu einem großen Teil auf Gisela Köfer zurück, denn sie war als Kind verrückt nach dem Mädchen in Bergen. Nach Erwerb der Lizenzrechte entstand noch im selben Jahr die Heidi-Alm mit inzwischen 28 Stationen, 120 Figuren, Fischteich, Riesenrutsche und Murmeltiergehege.

Die Köfers: Gisela, Hans, Julia mit Felix, Lukas mit Xaver, Sandra und Florian © Heidi-Hotel
Die Köfers: Gisela, Hans, Julia mit Felix, Lukas mit Xaver, Sandra und Florian © Heidi-Hotel

Die 100.000 Quadratmeter Alm als riesiger Spielplatz samt dem Heidi-Erlebnispark lässt sich freilich am besten im Sommer erleben. Im Winter versucht  Österreichs höchstgelegenes  Kinderhotel mit Beschaulichkeit zu punkten. Skifahren lässt sich direkt vor der Haustüre erlernen. Dafür sorgen freie, weite Pisten ohne Menschenmassen, zwei Schlepplifte, drei Zauberteppiche und die „Skischule Falkert“ von Peter Huber. Für die Kleinen gibt es „Heidis Schnee-Alm“ mit Tubing-Bahn und Rodelpiste, für die Eltern die jeweils vier Abfahrten am Falkert- und Sonnennlift sowie die Möglichkeiten auf Skitouren, Freeride-Hänge und Langlaufloipen.

Freeriden lässt es sich am Falkert mit Florian Köfer @ Heidi-Hotel
Freeriden lässt es sich am Falkert mit Florian Köfer @ Heidi-Hotel

Der Name Falkert geht auf die begriffliche Symbiose zwischen „Falke“ und „hart“ zurück und natürlich ringt eine solch kleine Wintersportregion immer wieder mit der harten Realität roter Zahlen. Erst letzten Sommer stand man aufgrund der wirtschaftlichen Lage vor der schwierigen Entscheidung entweder das Skigebiet zu schließen oder es in veränderter Form weiterzubetreiben. Dank vieler Gönner am Falkert und mit Hilfe der Gemeinden Reichenau und Gnesau war die Rettung jedoch erfolgreich, allerdings zulasten des Spitzliftes. Der Schlepper brachte die Wintersportler jahrzehntelang auf den Falkertspitz auf 2308 Seehöhe und zeichnete sich durch eine fordernde steile Abfahrt aus. Nur war er der am schlechtesten frequentierte Lift  (mit oft weniger als zehn Fahrten pro Tag) dafür aber aufgrund der aufwendigen Präparierung der kostenintensivste. So wurde 2017 die Einstellung des Spitzliftes beschlossen.

Der 2308 Meter hohe Falkertspitz in der Bildmitte © Heidi-Alm
Der 2308 Meter hohe Falkertspitz in der Bildmitte © Heidi-Alm

Um dennoch auch in Zukunft geübte Skiläufer zum Urlaub auf den Falkert zu locken, gibt es zweimal pro Woche einen kostenlosen Shuttle auf die Turracher Höhe und einen Sechs-Tage Liftpass inklusive zwei Tage Turrach. (Unseren Ski-Trip auf die Turrach könnt ihr hier nachlesen.)

Lukas Köfer lebt auf seinem Falkert, dem Berg den sein Opa erschlossen hat, seinen „Traumjob“. Kann er sich vorstellen, dass auch seine Kinder in diese Fußstapfen treten? „Wir werden uns bemühen ihnen einen guten und gesunden Betrieb aufzubauen, so wie wir ihn übernehmen konnten. Aber sie sollen genau das machen worauf sie Lust haben, wir werden sie nicht zwingen. Für mich war es schon mit acht Jahren klar, dass ich das machen möchte was meine Eltern machen.“

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