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Lässiges Levi: Finnlands frostiges Ski-Eldorado

Die tiefstehende Sonne - ein ständiger Begleiter im nordischen Frühjahr © Skiing Penguin
Die tiefstehende Sonne - ein ständiger Begleiter im nordischen Frühjahr © Skiing Penguin

In Finnisch-Lappland, nördlich des Polarkreises, genügen schon 531 Meter Seehöhe für ein Wintermärchen, wie es sich in den Alpen nicht erleben lässt. Sowohl der Schnee als auch 20 Grad unter Null fühlen sich völlig anders an.  

Es mag sonderbar anmuten, sich mitten im Winter aus den tief verschneiten Alpen ins etwa 2500 Kilometer entfernte Sirkka, Finnlands größtem Skigebiet, aufzumachen. Schuld daran ist das Fernsehen, denn Jahr für Jahr zeigt man den unscheinbaren kleinen Ort 170 Kilometer nördlich des Polarkreises von seiner verlockendsten Seite. Nämlich dann, wenn der Slalom-Weltcup seit 2006 traditionell in Levi eröffnet wird. Levi nennt sich zwar eigentlich nur der 531 Meter hohe Berg, mittlerweile steht sein Name aber ebenso für das ihm zu Fuße liegende Dorf.

Pistenplan Levi© HS visual Art / Hannu Sievila
© HS visual Art / Hannu Sievila

Skifahren auf 531 Meter Seehöhe, während hierzulande Gegenden auf 1000 Meter über Schneemangel klagen? Na ja, so knapp unter dem nördlichen Ende von Europa ist Schneemangel ein eher seltenes Problem und falls doch, lässt es sich zumindest immer beschneien, denn zu hohe Temperaturen sind so gut wie ausgeschlossen. In der Woche zwischen 19. und 25. Februar hatte es in Levi tagsüber -13, nachts -26 Grad. Aber keine Sorge, derartig eisige Temperaturen in Finnisch-Lappland fühlen sich an wie etwa sieben Grad unter null bei uns. Die Kälte im hohen Norden ist trockener als hierzulande und wird vom Körper als wesentlich weniger kalt empfunden.

Finnland ist nicht nur das „Land der 1000 Seen“, obwohl eine Zählung 187.888 ergab, sondern auch der komplexen Sprache. Es gibt nicht nur sage und schreibe 15 Fälle, sie ist auch nahezu unverständlich. Außer in jenen Momenten, in denen Deutschsprachige schmunzeln müssen. Hotel heißt hotelli, Tourist turisti, Wein vinii und Gondel gondoli. Geht es allerdings ums Skifahren auf Levis 43 Pisten, heißt es nicht etwa skii sondern lasketellu.

Am einfachsten geht es per Charterflug (siehe unten) nach Levi oder mit dem Linienflugzeug über Helsinki. Der Flughafen Kittilä ist lediglich 15 Kilometer vom Ortskern entfernt. Wessen Hotel sich direkt im Zentrum befindet, darf sich freuen: Zum Einstieg ins Skigebiet am so genannten „Zero Point“, wo gleich sieben Lifte wegführen, lässt es sich problemlos spazieren. So etwa zum „Levi Express Gondoli“. Mit ihr geht es nicht nur zu den Pisten, sondern auch zum „Hotel Levi Panorama“ und einem Museum, das sich ganz dem indigenen Volk der Samen widmet.

Von Zero Pont geht es mit Gondel oder Sessellift auf den ersten Hang - mit Blick auf Levi © Skiing Penguin
Von Zero Point geht es mit Gondel oder Sessellift auf den ersten Hang – mit Blick auf Levi © Skiing Penguin

Der Berg Levi mag vielleicht nur 531 Meter hoch sein, aber dennoch gelingt es der kleinen Erhebung Skifans mehrere Tage zu bespaßen –  es ist nämlich jede Seite für Skifahrer erschlossen: es gibt Abfahrten gen Norden, Osten, Süden und Westen. Natürlich findet sich, abgesehen von einem kleinen Teilstück des Weltcupslaloms, kein richtig steiler Abschnitt. Allerdings ist auch die Anzahl der wenig herausfordernden „Autobahnen“ vernachlässigbar. Etwa die Hälfte von Levis Pisten sind rot markiert und die meisten von ihnen gibt es in passablen Längen. Die einfachen Hänge sind ob ihrer Breite ein Paradies für Anfänger.

Die Pisten-Highlights in Levi sind die Slalomstrecke und die Hänge in unmittelbarer Umgebung. Parallel zur „Gondoli 2000“ lässt sich der Torlauf sogar direkt ab dem Starthaus nachahmen: Er beginnt mit einem flachen, welligen Stück, der in einen mittelsteilen kurzen Abschnitt führt, ehe es nach einer Kante in den Steilhang geht, der sich vor der Planai nicht verstecken muss – allerdings dauert seine Befahrung wahrscheinlich keine 15 Sekunden. Wichtig ist es, aus den wenigen Momenten tüchtig Schwung mitzunehmen, sonst muss zur Liftstation geskatet werden, so flach ist der letzte Abschnitt (an dessen Stelle sich beim Rennen der Zielraum befindet).

Wer anschließend mit „Gondoli 2000“ wieder den Levi-Berg erklimmt und sich im Bereich des Slalom-Starthauses rechts hält, gelangt zu zwei genialen Slalom- und Riesentorlauf-Trainingsstrecken und sofern nicht gerade Finnlands Skinachwuchs bei der Arbeit ist, besteht hier keinerlei Gefahr tumultartiger Szenen. Die kurzen, aber anspruchsvollen und abwechslungsreichen Abfahrten scheinen die turisti eher abzuschrecken. Dabei sind die Abfahrten spannender als die Weltcupstrecke, allerdings wohl nicht lange genug und für Zielraum und Publikum wäre auch kein Platz. Die Strecken schneiden sich malerisch durch dichte Wälder, das Gelände ist einerseits hügelig und steil, andererseits ruhig abfallend und breit. Zurück auf das Hochplateau am Levi gelangt man an dieser Stelle mit Vesirikka-autto und Tunneli, zwei Schleppern, wie für das Skigebiet üblich. Das heißt, die Bergfahrt mag vielleicht nicht sonderlich bequem sein, allerdings entschädigt das Panorama für die wenig luxuriösen Aufstiegshilfe: Die Wälder wirken unberührt und die Schneehauben der Bäume glitzern märchenhaft in der Sonne, die im Februar und März schon richtig lange scheint. Von den Bergstationen offenbaren sich Ausblicke über endlos wirkende unberührte Weiten, die mit nichts in den Alpen vergleichbar sind.

Endlose Weiten mit Wäldern und zugeschneiten Seen eröffnen sich vom Gipfel des Berg Levi © Skiing Penguin
Endlose Weiten mit Wäldern und zugeschneiten Seen eröffnen sich vom Gipfel des Berg Levi © Skiing Penguin

Angesichts der Weite erklärt sich auch schnell, weshalb Finnen traditionell besser Langlaufen als Skifahren. Denn auch in Levi stehen 45 Kilometer an Pisten 230 Kilometer Loipen gegenüber. Noch mehr Auswahl haben nur Benzinbrüder und -Schwestern: Wer mit dem Schneemobil und bis zu 60 km/h durch Lappland fetzen möchte, darf aus 886 Kilometern wählen.

Aber zurück in den alpinen Bereich. Die „Levi south“-Pisten sind für Neo-Skifahrer ebenso gut geeignet wie für Carvingliebhaber. Die Abfahrten sind flach abfallend und breit, bieten also reichlich Raum für lange Schwünge oder kleine Hoppalas. Zurück nach oben geht es u. a. mit dem Schlepper Etelärinne und auch diese Fahrt bietet besonders viel Zeit für Blicke in die Gegend. Ab Ende Februar scheint die Sonne vergleichsweise lange für einen nordischen Winter, sodass der Skispaß bis in den Nachmittag dauern kann – was durch den außergewöhnlich unanstrengend zu fahrenden Schnee noch erleichtert wird. Und für alle, die den Skipass wirklich ausreizen wollen hat Levi noch ein besonderes Angebot: 15 Pisten mit Flutlicht.

Schnee hat Levi so weit das Auge reicht und das in einer für unsereins recht ungewohnten Art: Aufgrund der Kälte bilden die Flocken ein extrem kompakte Schneedecke, unliebsame Haufen bleiben dadurch auch bis zum Nachmittag aus. Nicht nur auf und abseits der Pisten ist alles weiß, auch die Gehsteige und Straßen. Das ist kein optischer Effekt für Touristen, sondern Gesetz. Autos dürfen nur mit Spikes fahren, denn es wird nirgends Salz gestreut. Das würde nämlich nicht nur vom Schnee, sondern auch von den Rentieren und Elchen aufgenommen werden und Streusalz bekommt den Tieren so gar nicht. Auf den Pisten lassen sich die nordischen Hirscharten eigentlich nicht blicken, da hilft vielleicht ein kleiner Ausflug in die überschaubaren Tiefschneehänge. Da der Berg von allen Himmelsrichtungen erschlossen ist, bleibt nur wenig Platz für unpräparierte Hänge, doch ein paar wenige sind übrig geblieben. Aber Achtung! Wegen des dichten Waldes im unteren Bereich des Berges und der spitzen Felsen eignen sich nicht alle unverspurten Abfahrten für Tiefschneeschwünge.

Übrigens empfehlen wir, euch tagsüber nicht völlig auszupowern. Denn um die faszinierenden Nordlichter zu sehen, braucht man oft mehr als nur den zweiten Atem zwischen Mitternacht und drei Uhr früh.

Was uns gefallen hat

  • Die Abgeschiedenheit Levis sowie die endlos unberührten Weiten erwecken das Gefühl auf einem anderen Planeten zu sein.
  • Es ist ein Ort der kleinen Wege – alles lässt sich zu Fuß erreichen
  • Noch scheint Levi ein Geheimtipp für deutschsprachige Touristen

Was uns weniger gefallen hat

  • Es gibt auf Levis Pisten keine Hüttenkultur. Die Einkehrschwünge führen in wenig charmante, kühl eingerichtete Selbstbedienungslokale
  • Der Bierpreis mit 7 bis 9 Euro pro halbem Liter. Kleiner Trost: In Schweden und Norwegen ist es noch teurer
  • Auch für ein Abendessen für zwei Personen muss mit 150 Euro gerechnet werden

Levi-Facts

  • Eine Tageskarte kostet 43,50 Euro, ermäßigt (für Kinder und Senioren) 27 Euro
  • 28 Lifte und 43 Pisten mit 46 Kilometer Länge
  • 15 Pisten mit Flutlicht, zwei Snowparks für Freestyler sowie 20 Kilometer Winterwanderwege
  • Pauschalreisen und Direktflüge von Wien bietet etwa Primareisen. Details hier.

Und was gibt es noch?

Nach Levi kommt man nicht nur des Skifahrens wegen. Im bzw. rund um den Wintersportort lässt es sich auch Langlaufen, mit dem Schneemobil oder auf einem Huskyschlitten fahren sowie Nacht für Nacht auf das Polarlicht alias Aurora borealis warten.

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