Pistentiger

Skilegende Karl Koller feiert 100er

Karl Koller flankiert von Josef Buger (KitzSki), Signe Reisch (Tourismus-Präsidentin), Bürgermeister Klaus Winkler und Michael Huber (KSC-Präsident) © Skiing Penguin
Karl Koller flankiert von Josef Buger (KitzSki), Signe Reisch (Tourismus-Präsidentin), Bürgermeister Klaus Winkler und Michael Huber (KSC-Präsident) © Skiing Penguin

Kaum jemand prägte die Sportstadt Kitzbühel so nachhaltig, wie Rennläufer, Skilehrer und Visionär Karl Koller. In einer hochkarätigen Runde feierte er nun seinen 100. Geburtstag. 

Und plötzlich stand er da, inmitten einer Feierschar im Gastgarten des Rasmushof in Kitzbühel, gelegen am Fuße der Streif und des Ganslernhangs. Karl Koller, seit Dienstag 100 Jahre alt. Sein größter sportlicher Triumph liegt 72 Jahre zurück: Damals, im Jahre 1946, wurde er sowohl in der Abfahrt als auch im Slalom in seiner Heimatstadt Kitzbühel Zweiter und entschied so die prestigeträchtige Kombination für sich. Heute ist er der älteste noch lebende Hahnenkammsieger.

Mit Karl Kollers Erscheinen legte auch die Kitzbüheler Stadtmusik los und der Jubilar zeigte sich von den Klängen verzückt – mit seinen Stöcken tippte er begeistert im Takt mit. Unter den Gästen befanden sich einige Hochkaräter: Ernst Hinterseer, Hias Leitner, Rudi Sailer und Peter Schröcksnadel. Für den ÖSV-Präsident war es der erste 100. Geburtstag, auf dem er eingeladen war, und in Anspielung auf Karl Kollers stolzes Alter meinte der „erst“ 77-Jährige mit Augenzwinkern: „Ich habe jetzt ein neues Ziel.“ Österreichs höchster Skifunktionär zeigte sich die ganze Feier über von seiner lockeren Seite: „In Sachen Skitechnik hat sich seit 1946 nichts geändert“, war nur einer seiner Sprüche.

Karl Koller mit den Präsidenten Peter Schröcksnadel (ÖSV) und Michael Huber (KSC) © Skiing Penguin
Karl Koller mit den Präsidenten Peter Schröcksnadel (ÖSV) und Michael Huber (KSC) © Skiing Penguin

Auch Kitzbühels Bürgermeister zeigte Humor: „Dieser Tag hat besondere Menschen hervorgebracht“, sagte Klaus Winkler und brachte damit vor allem jene zum Schmunzeln, die wussten, dass auch der Politiker selbst Geburtstag hat – er wurde (fast) halb so alt. „Allerdings hat von allen, die am 16. April auf die Welt gekommen sind, niemand die Größe Karl Kollers“, fuhr Klaus Winkler fort und würdigte die Legende mit den Worten: „Ein Hoch auf den größten Kitzbüheler.“

Der 100-Jährige selbst trug nicht nur zwei selbst verfasste Gedichte (auswendig!) vor, er zeigte sich vor allem dankbar und erfreut: „Ich möchte den Tag mit den zwei Nullen hernehmen, um Danke zu sagen. In erste Linie meiner Partnerin Ida. In den 20 Jahren, in denen wir beinand sind, haben wir praktisch nie gestritten. Dafür möchte ich herzlich danken.“ Gekannt haben sich die beiden ein Leben lang, aber gefunkt hat es erst, als beide Witwer waren.

Karl Koller mit seiner Familie und Lebensgefährtin Ida © Skiing Penguin
Karl Koller mit seiner Familie und Lebensgefährtin Ida © Skiing Penguin

Als Karl Koller im Jahr 1919 als jüngstes von zehn Kindern in Kitzbühel auf die Welt kommt, ist der Erste Weltkrieg erst wenige Monate zu Ende und mit Karl I. verabschiedet sich der letzte Monarch Österreich-Ungarns ins Schweizer Exil. In Hamburg wird durch den Zusammenschluss dreier Fußball-Vereine der legendäre HSV gegründet und in Österreich finden zum allerersten Mal freie Wahlen statt.

Zeitlebens stand Koller auf Ski und machte sich als Rennläufer ebenso einen Namen wie als Skilehrer. Zur Legende avancierte er nach dem Zweiten Weltkrieg – zuerst mit dem eingangs erwähnten Triumph beim Hahnenkammrennen 1946. Der gebürtige Kitzbüheler über das Rennwochenende ein Jahr nach Kriegsende: „Wir sind mit den Abfahrtsski auch Slalom gefahren – weil niemand ein zweites Paar Ski gehabt hat“, erinnert er sich. Die Abfahrt auf den Holzlatten war ein fast kriminelles Unterfangen, denn es hatte die ganze Nacht bis zum Start geregnet und die Piste (ohne Richtungstore!) war extrem eisig. Der coole Koller dachte dennoch vor dem Start: „Najo, fohr ma holt.“

Ehrengeschenke und eine Torte mit 100 Kerzen gab es für Karl Koller © Skiing Penguin
Ehrengeschenke und eine Torte mit 100 Kerzen gab es für Karl Koller zum Geburtstag © Skiing Penguin

Endgültig zum Fixstern in der Kitzbüheler Geschichte avancierte er nach seiner aktiven Laufbahn mit der Übernahme der Skischule von Sepp Sailer, dem Onkel von Toni und Rudi, in der Saison 1949/1950: Gemeinsam mit Künstler Alfons Walde entschloss sich Koller, den Betrieb besser zu vermarkten und bekannter zu machen. Der Maler entwarf Werbeunterlagen, Plakate sowie das Bild mit dem „Roten Teufel“, was die Geburtsstunde der bis heute gleichnamigen und berühmten Skischule war. Koller wünschte aber auch ein Branding seiner „Pisten-Pädagogen“ und einer roten Zipfelmütze folgte bald ein roter Pullover, den jeder Mitarbeiter trug. Karl Koller leitete die Geschicke bis 1975, aber bis heute sind die Skilehrer der „Roten Teufel“ in sattem Rot unterwegs – allerdings wurde der Pulli zu einem Skianzug. Seine visionären Ideen wurden auch anlässlich seines Geburtstages in ausnahmslos allen Reden gewürdigt. Josef Burger etwa sagte: „Du hast immer die Schneid und den Mut für die Zukunft gehabt.“ Der Vorstand der Bergbahn AG Kitzbühel betonte, dass Karl Koller sowohl in Sachen „Content is King“ als auch hinsichtlich „Branding“ ein Vorreiter gewesen sei, noch ehe die Begriffe Jahrzehnte später in den Marketing-Wortschatz Einzug gehalten haben.

Auch als Obmann des Kitzbüheler Fremdenverkehrsverbandes zwischen 1968 und 1972 hinterließ er Spuren, die bis heute zu sehen sind: So dachte sich Karl Koller etwa das riesige Neujahrsfeuerwerk aus – allerdings am Abend des 1. Jänner und nicht etwa für die Silvesternacht.

Den Ski-Weltcup verfolgt er nach wie vor mit großem Interesse. Allerdings ohne Ton: „Die Vorberichte und das ganze Geplapper sind mir zuwider“, verriet Karl Koller der Tiroler Tageszeitung. Sich selbst hält er mit Spaziergängen fit. Dem aktiven Skisport sagte er „Pfiat di“, allerdings erst vor acht Jahren. 

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