Pistentiger

Florian Phleps über die Marketing-Erfolgsformel

Florian Phleps, Geschäftsführer der Tirol Werbung © Tirol Werbung
Florian Phleps, Geschäftsführer der Tirol Werbung © Tirol Werbung

Seit Jänner ist Florian Phleps Geschäftsführer der Tirol Werbung. Im Interview betont er, wie wichtig für alle Touristiker eine 360-Grad-Kommunikation, Live-Bilder sowie die eigene Website sei. Der gebürtige Fieberbrunner selbst urlaubt, abgesehen von Tirol, am liebsten in der Toskana oder in Annaberg. 

Herr Phleps, es gibt Fernsehen, Radio, Zeitungen, Magazine sowie das Internet mit Kanälen wie Instagram oder Facebook und es gibt natürlich die eigene Website. Wie kompliziert ist es heutzutage sein touristisches Unternehmen richtig zu vermarkten?
FLORIAN PHLEPS: Das Allerwesentlichste für jegliche Vermarktung ist es, das eigene Produkt bestens zu kennen und entsprechend klar positioniert zu sein – damit ist die halbe Arbeit bereits erledigt.

Wie sieht die zweite Hälfte der Arbeit aus?
FLORIAN PHLEPS: In der Gegenwart und in der Zukunft liegt der Fokus ganz klar auf Online: auf einer 360-Grad-Kommunikation mit viel Bewegtbild und wenn möglich auch mit Live-Bild. Das kann ich über meine eigenen Kanäle ausspielen. Eine Basis zur Eigenvermarktung ist und bleibt daher der eigene Webauftritt. Die Erfolgsformel liegt letztendlich in der Qualität des eigenen Produktes, im besten Wissen über das Produkt und in der Kunst, es digital auszuspielen.

Was bedeutet 360-Grad-Kommunikation?
FLORIAN PHLEPS: Das heißt, in seiner Kommunikation nicht statisch zu sein. Es ist zu wenig, sich nur auf einen Kanal zu konzentrieren. Die Marketing-Herausforderungen sind dadurch letztendlich aber nicht viel größer geworden. Es geht nicht um neue Geschichten, sondern darum, Geschichten neu zu erzählen und da hilft die digitale Kommunikation. Denke ich etwa an Social Media: Da kann ich schnell, unmittelbar und mit einer hohen Relevanz mit einer ganz spezifischen Zielgruppe kommunizieren. Zum Beispiel einfach gemachte Videos, die mit dem Smartphone gedreht und via Facebook oder Instagram ausgespielt werden.

Sie haben auch Live-Bilder angesprochen. Was braucht es dafür? Abgesehen von einem zeigenswerten Anlass.
FLORIAN PHLEPS: Skigebiete zeigen das schon seit vielen Jahren vor: Wetter und Live-Cam sind sehr große Marketingmittel. Diese Module zu übernehmen – sei es etwa in einem Skischul- oder Beherbergungsbetrieb – finde ich sehr wichtig.

Mit dem "Tirol Berg" ist die Tirol Werbung bei vielen internationalen Großereignissen vertreten © Tirol Werbung
Mit dem „Tirol Berg“ ist die Tirol Werbung bei vielen internationalen Großereignissen vertreten © Tirol Werbung

Wie geht die Tirol Werbung selbst an das Erzählen von Geschichten auf ihren Kanälen heran?
FLORIAN PHLEPS: Am Anfang steht überhaupt erst einmal eine Geschichte, die aufgrund ihrer Qualität und ihrer Spannung es wert ist, erzählt zu werden. Dann produzieren wir die Geschichten in verschiedenen Formaten: Sie muss als Video genauso funktionieren, wie in einer Printversion, als Kurz-Teaser für einen klassischen Facebook-Kanal und für Instagram.

Glaubt man der Werbung, so lässt es sich in Tirol angeblich 365 Tage im Jahr urlauben. Wie leicht ist es eigentlich dieses Bundesland zu vermarkten. Oder wie schwierig?
FLORIAN PHLEPS: Tirol ist einfacher zu vermarkten, weil die Qualität des Produktes hervorragend ist. Die große Schwierigkeit dabei ist es, diesen hohen Standard zu halten.

Muss sich ein Sportland wie Tirol damit abfinden, wohl nie mehr ein Großereignis wie Olympische Spiele veranstalten zu dürfen?
FLORIAN PHLEPS: Die Tiroler Bevölkerung hat im Herbst 2017 ein klares Votum abgegeben, dass sie keine Olympischen Winterspiele will. Das ist selbstverständlich zu akzeptieren. Wesentlich wird in Zukunft sein, dass es eine Strategie des Landes gibt, die festlegt, welche Sportveranstaltungen wir in Tirol haben wollen.

Wie wichtig sind für das Bundesland kleinere Großveranstaltungen wie die Biathlon-WM, die Rad-WM oder die Nordische WM?
FLORIAN PHLEPS: Derartige Ereignisse sehe ich als immens wichtig für unser Land. Tirol ist das Sportland Nummer eins in den Alpen. Diese Position festigen wir unter anderem mit großen Sportveranstaltungen. In deren Zuge wird außerdem viel Infrastruktur geschaffen, die auch der heimischen Bevölkerung zugutekommt. Das reicht vom neuen Seefelder Bahnhof bis zur Radwegoffensive des Landes.

Die Bilder der Nordischen Ski-WM in Seefeld gingen um die Welt © Tirol Werbung/GEPA/Christopher Kelemen
Die Bilder der Nordischen Ski-WM in Seefeld gingen um die Welt © Tirol Werbung/GEPA/Christopher Kelemen

Je mehr Klimastudien publik werden, desto konträrer sind die Ergebnisse. Da heißt es, die Temperaturen im Winter sowie die Schneehöhen seien seit 100 Jahren stabil oder aber auch ab dem Jahr 2050 gäbe 30 Skitage pro Saison weniger. Wie geht man mit den Prognostikern um?
FLORIAN PHLEPS: Danke, Prognostiker ist der richtige Ausdruck. Wesentlich sollte eine Versachlichung dieser Diskussion sein. Die gesamte Klimadiskussion ist ganz stark aufgeladen und emotionalisiert. Von den Klima-Schwarzmalern bis hin zu den Klimaveränderungs-Negierern ist das Kommunikationsspielfeld wahnsinnig groß und der mediale Umgang damit ist stets schlagzeilenträchtig. Aber wie die Diskussion derzeit läuft, kann es keinen Gewinner geben, und deshalb plädiere ich für eine Versachlichung.

Was ist Ihre Meinung zum Klima?
FLORIAN PHLEPS: Für mich gibt es eine sehr glaubwürdige Initiative namens „Klima.Schnee.Sport“, wofür sich ein Expertenteam aus 14 Klima- und Sportforschungseinrichtungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammengeschlossen hat (Anmerkung: Details hier). In ihrer gemeinsamen Stellungnahme heißt es, dass man zur Temperaturentwicklung sehr viel wisse. Es ist Fakt, dass die Temperaturen im Alpenraum bis 2050 um zwei Grad steigen werden. Das ist aber nicht das Problem. Die Herausforderung ist, dass wir zu wenig über die Entwicklung des Niederschlags wissen und dazu braucht es noch mehr Forschungsergebnisse. Rechnen müssen wir, dass die Variabilitäten mehr werden: sowohl Perioden mit anhaltendem Niederschlag als Schnee als auch Perioden mit wärmeren Temperaturen ohne Niederschlag. Für das Geschäftsmodell Wintersport gibt es aber keinerlei Anzeichen, dass wir in Tirol davon abgehen müssten.

Wo außerhalb von Tirol urlauben Sie gerne?
FLORIAN PHLEPS: Ich bin sehr gerne in der Toskana, weil die Gegend viele meiner Interessen abdeckt: Sie ist ideal für eine Familie mit Kindern und perfekt zum Radfahren. Außerdem schätze ich die regionale Küche und ein gutes Glas Rotwein.

Und wo in Tirol fahren Sie am liebsten Ski?
FLORIAN PHLEPS: Da bin ich sehr lokalpatriotisch: in Fieberbrunn, wo ich aufgewachsen bin.

Zur Person

Nach Abschluss des Jus-Studiums sowie der Rechtsanwaltsprüfung hat Florian Phleps 2012 die Geschäftsführung des Tourismusverbandes Pillerseetal übernommen. Seit 2016 war er als Prokurist Mitglied der Geschäftsleitung der Tirol Werbung, seit Jänner 2019 ist er Geschäftsführer der Tirol Werbung. Florian Phleps, Jahrgang 1980, ist verheiratet, Vater zweier Söhne und lebt in Fieberbrunn.

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