Ski Trips

Dynamische Preismodelle in Österreich Zukunftsmusik

In St. Moritz sind Kartenpreise dynamisch © swiss-image.ch/Daniel Martinek
In St. Moritz sind Kartenpreise dynamisch © swiss-image.ch/Daniel Martinek

In St. Moritz hängt der Tageskartenpreis künftig vom Andrang und dem Zeitpunkt des Kaufs ab. Ein Modell, das in heimischen Wintersportorten wie etwa in Ischgl, der SkiWelt und dem Zillertal, auf der Planai oder am Nassfeld noch keine Nachahmer findet. 

Die Bergbahnen im Schweizer Oberengadin führen in der kommenden Wintersaison ein dynamisches Preismodell ein. Fortan richtet sich der Preis für eine Tages- bzw. Mehrtageskarte in den Skigebieten rund um St. Moritz sowohl nach Zeitpunkt des Kaufs als auch nach der Zahl der Gäste, die sich am bestimmten Tag ins Skigebiet aufmachen wollen bzw. bereits auf den Pisten unterwegs sind.

Das neue Preismodell soll „eine Belohnung für jene Gäste sein, die sich im Vorfeld Gedanken über ihre Ferien im Engadin machen und bei ihrer Planung den Skipass gleich mitbuchen“, sagt Markus Melli, Chef der Engadin St. Moritz Mountains AG.

Rabatte bis zu 30 Prozent

Statt wie bisher über die gesamte Saison jeden Tag den gleichen Preis zu verlangen, ist der Ticketpreis je nach Nachfrage am jeweiligen Gültigkeitstag unterschiedlich hoch. Die konventionellen statischen Preislisten entfallen. Der Gast kann die Preise mit dem Zeitpunkt seiner Buchung beeinflussen. Denn Frühbucher, die ihre Tickets bis zu 15 Tage vor der Einlösung erwerben, erhalten auf ihre Skipässe Rabatte von bis zu 30 Prozent. Der Preis für eine Tageskarte ist hingegen davon abhängig, wie viele Gäste sich bereits im Skigebiet befinden und davon, wie viele aufgrund der Erfahrungen noch erwartet werden. An einem Tag mit schwachem Besuch bzw. viel Platz auf den Pisten ist es möglich, dass die Tageskarte 45 Franken (rund 39 Euro) kostet. Ab 1. September gilt also: Je später man bucht, desto kleiner der Rabatt. Und je mehr Leute Ski fahren, desto höher der Preis.

St. Moritz spricht zwar von einem „im Alpenraum einzigartigen Preismodell“, es gibt allerdings bereits Schweizer Vorreiter: So hat etwa auch die Skiarena Andermatt-Sedrun dynamische Preis (Details hier) und die Pizolbahnen knüpfen den Preis an die Wetterprognose.

Die Standseilbahn Chantarella Corviglia mit Blick auf St. Moritz © swiss-image.ch/Christof Sonderegger
Die Standseilbahn Chantarella Corviglia mit Blick auf St. Moritz © swiss-image.ch/Christof Sonderegger

Von Ischgl über Zell am See und der Planai bis aufs Nassfeld 

In Österreich sind dynamische Preismodelle entweder blanke Theorie in sehr ferner Zukunft oder völlig undenkbar. Wir haben uns umgehört:

Bei der Planai-Hochwurzen-Bahnen GmbH heißt es: „Wir beschäftigen uns in Ski amadé schon seit einigen Jahren mit alternativen, dynamischen Preismodellen. Gerade im Online-Vertrieb wäre es eine gute Steuerungsmöglichkeit.“ Noch sei die Zeit für eine Umsetzung aber „nicht reif“. Bei der Schmittenhöhebahn in Zell am See sieht man „in naher Zukunft keine Chance“ für ähnliche Modelle wie in St. Moritz – in erster Linie „aufgrund der verschiedenen Kartenverbünde“.

Ein klares Nein gibt es von der Silvrettaseilbahn AG in Ischgl: „Wir werden kein dynamisches Preismodell einführen und glauben, dass diese Modelle den ohnehin bereits eingesetzten Trend zu einem ruinösen Wettbewerb unter den Skigebieten beschleunigen wird”, sagt Vorstand Hannes Parth. Auch bei den Zillertaler Gletscherbahnen in Hintertux gibt es „keine Überlegungen in diese Richtung“ – momentan und auch in naher Zukunft nicht.

In Bad Kleinkirchheim kommen dynamische Preismodelle „aktuell noch nicht infrage“ und auf dem Nassfeld gibt es keine Überlegungen: „Am Ende des Tages muss jedenfalls gewährleistet sein, dass jährlich ein entsprechender Cash Flow unter dem Strich übrig bleibt, damit weiter investiert werden kann, um die Qualität und Modernität zu halten und auszubauen. Nur günstige Liftpreise werden uns dabei nicht weiterhelfen“, sagt Christoph Gruber. Am Nassfeld gehe die Entwicklung eher in die Richtung Skitage mit „Mehrwerten und emotionalen Erlebnissen aufzuladen“.

Für die SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental, mit 2,4 Millionen Skierdays Österreichs am besten besuchtes Skigebiet, ist das Schweizer Tarifmodell „noch kein Thema“, heißt es aus dem Marketing: „Die SkiWelt zählt auch zu den größten und modernsten Skigebieten der Welt. Unser Top-Produkt steht bei uns klar im Vordergrund und nicht der Preis. Das erwarten sich alle Gäste jeden Tag aufs Neue und sie sollen zu jederzeit buchen können, wie sie es auch bisher gemacht haben“, heißt es in Söll, wo man auch darauf hinweist, dass „speziell die Produkt- und Preiswahrheit“ von den Gästen sehr geschätzt wird. Denn wer sich künftig etwa am 26. Dezember kurzfristig nach St. Moritz aufmacht, kann sich nur sicher sein, dass die Tageskarte teuer wird, aber nicht wie teuer. Das gleiche gilt für besucherschwache Tage. Da wird das Ticket günstiger sein. Um wie viel, ist aber erst vor Ort klar.