Pistentiger

Der Atomic-Boss über Kundenwünsche und Marcel Hirscher

Atomic-Chef Wolfgang Mayrhofer © GEPA/Philipp Brem
Atomic-Chef Wolfgang Mayrhofer © GEPA/Philipp Brem

Die Präsentation der Atomic-Produkte für die Saison 2018/19 im Salzburger Altenmarkt haben wir zum Anlass genommen, den Geschäftsführer des weltgrößten Skikonzerns zum Interview zu bitten. Wolfgang Mayrhofer verrät uns sein Lieblingsprodukt der kommenden Saison und spricht über Nachhaltigkeit, Farbentscheidungen und die Atomic-Stars Marcel Hirscher und Mikaela Shiffrin. 

Herr Mayrhofer, als Chef des größten Skikonzerns der Welt, wie oft kommen Sie selbst zum Skifahren?
WOLFGANG MAYRHOFER: Ich versuche, jede freie Minute auf Skiern unterwegs zu sein, sei es auf Skitouren oder auf Pisten. Hier in Altenmarkt haben wir direkt vor der Haustüre die Skiwelt Amadé, die so vielseitig ist, wie kaum ein anderes österreichisches Skigebiet.

Wir sind hier bei der Präsentation der Produkte für die kommende Wintersaison. Wenn Sie sich nur eines herauspicken dürften, welches Atomic-Produkt aus der Palette für 2018/2019 bereitet Ihnen am meisten Freude?
WOLFGANG MAYRHOFER: Die Shift-Bindung, denn die ist wirklich ein Gamechanger. Es ist eine Bindung, die man mit Touren- und Skischuhen benutzen kann und die zu 100 Prozent sicher ist. Dieses Produkt hat wahrscheinlich die breiteste Zielgruppe und einen extrem hohen Innovationsgrad. Den Vantage-Ski möchte ich auch noch hervorheben: Es ist der leichteste All-Mountain-Ski am Markt.

Der neue Redster X9 ist giftgrün. Wie ist es zu dieser gewagten Farbe gekommen? Atomic verbindet man ja doch eher mit Rot. 
WOLFGANG MAYRHOFER: Der klassische G9 wird immer rot sein. Das leuchtende Grün des X9 ist eine sogenannte Pop-Up-Colour und man sieht sie auch schon bei Nike und Adidas. Die Farbe ist momentan extrem aktuell, sie ist aggressiv, giftig und passt daher auch gut zum Ski. So frischen wir das Kollektionsbild gegenüber den Konsumenten zwischendurch etwas auf.

Der neue Atomic X9 wird giftgrün © Skiing Penguin
Der neue Atomic X9 wird giftgrün © Skiing Penguin

Wie oft sollte man sich eigentlich ein neues Paar Ski kaufen?
WOLFGANG MAYRHOFER: Jede zweite bis dritte Saison, weil der Innovationsgrad in dieser Zeit wieder gesprungen ist. Es gibt einen Innovationszyklus, bei dem innerhalb von zwei, drei Jahren extrem große Fortschritte beim Gewicht, den Fahreigenschaften sowie dem Komfort gemacht werden– und das für alle Zielgruppen. Die Leute haben inzwischen Geräte, mit denen sie bei allen Pistenbedingungen viel mehr Spaß haben. Das geringere Gewicht hat etwa den Vorteil, dass sie weniger Kraft und Energie brauchen.

Atomic hat in den letzten Jahren sein Angebot in der Breite erweitert. Es gibt inzwischen auch Bekleidung, Helme, Brillen etc. Warum dieser Schritt? Muss man inzwischen alles anbieten um konkurrenzfähig zu bleiben?
WOLFGANG MAYRHOFER: Es ist Teil unseres Plans. In unserer Vision „World’s favourite Skiing Brand“ heißt es „skiing“ und dazu zählen nicht nur Ski, sondern auch Bindungen, Schuhe, Stöcke, Helme, Brillen und Bekleidung in den wichtigsten Styles. Wir wollen den Skifahrer richtig umsorgen. Und das ist uns auch gelungen. Bei Helmen und Brillen wachsen wir sehr rasch – in den letzten Jahren zweistellig. Mit diesen, für Atomic, kleineren Kategorien machen wir Millionenumsätze.

Skianzüge von Atomic fallen einem auf den Pisten aber kaum auf. 
WOLFGANG MAYRHOFER: Ganz bewusst. Es gibt insgesamt fünf verschiedene Modelle und das ist etwas für sogenannte Brand Lovers. Wenn du ein Atomic-Fan bist und schon Ski, Schuhe, Helm und Brille hast, wollen viele auch einen Skianzug. Jetzt schauen wir uns an, wie das funktioniert und dann werden wir 2019/20 weiter entscheiden, ob wir auch in diesem Bereich in Forschung und Entwicklung massiv investieren, oder ob es ein kleines Segment bleibt.

Sie sind seit 1986 bei Atomic. Wie sehr haben sich die Kundenwünsche seither verändert?
WOLFGANG MAYRHOFER: Dramatisch. Früher gab es einen Ski für Herren und Damen, für Tiefschnee und Piste, mit einer Technologie – mit einem Standardbausatz. Die Kunden sind viel anspruchsvoller geworden. Der Normalverbraucher fährt im Vergleich zu früher ganz anders, weil mit den taillierten Ski ein viel besseres Gefühl aufkommt.

Welcher Kundenwunsch ist immer wieder gekommen und hat auch Berücksichtigung gefunden?
WOLFGANG MAYRHOFER: Skischuhe bequemer, komfortabler und individueller zu machen ist ein Wunsch, der immer gekommen ist. Das ist uns mit Memory Fit gut gelungen. Du kannst Schale und Innenschuh aufwärmen und so genau an deinen Fuß anpassen. Von Damen kam oft der Vorwurf, dass wir es nicht schaffen würden, leichtere Ski herzustellen. Inzwischen sind Damenski um bis zu 50 Prozent leichter als noch vor fünf Jahren. Wir hören den Kunden schon ganz genau zu.

Mit Memory Fit reagierte Atomic auf den Kundenwunsch, die Skischuhe bequemer zu machen © Atomic
Mit Memory Fit reagierte Atomic auf den Kundenwunsch, die Skischuhe bequemer zu machen © Atomic Austria GmbH

Online möchte Atomic mit seinen Kunden stets in Kontakt sein. Gelingt das?
WOLFGANG MAYRHOFER: Mit den Zugriffen auf unsere Seite sind wir zufrieden und wir versuchen die Verweildauer unserer Kunden zu erhöhen. Etwa mit „Customize your Ski“, wo du dir deinen eigenen Ski designst, dich über Social Media austauschst und die Ski in Bildergalerien herzeigst. Wir bieten unseren Konsumenten ein Spektrum zu interagieren und wollen alle einladen, sich mit uns auszutauschen.

Wie gut kommt das Angebot an, seine eigenen Skier zu entwerfen?
WOLFGANG MAYRHOFER: Pro Jahr setzen wir etwa 800 Paar ab. Aber ob es 700 oder 900 sind, ist egal. Wir sehen das als Marketing-Aktion, die kein Verkaufsschlager sein muss. Es ist ein Service für unsere Kunden und die Verweildauer auf den Seiten ist dadurch dramatisch gestiegen. Mittlerweile hat sich auch eine Community gebildet, die sich ihre Entwürfe gegenseitig schickt.

Ringsum wird das Thema Nachhaltigkeit immer wichtiger. In welchen Bereichen ist Atomic umweltbewusst?
WOLFGANG MAYRHOFER: Hier in Altenmarkt zum Beispiel mit unserer Hackschnitzelheizung. Bis vor sechs Jahren haben wir all unsere Pressen mit Erdöl erhitzt. Je nach Skityp müssen die Pressen auf 140 bis 170 Grad erhitzt werden. In einer Kooperation mit Salzburg Energie sind wir dank der Hackschnitzelheizung runter auf null Liter Erdölverbrauch und haben den Carbon-Foot-Print dramatisch reduziert. Wir arbeiten auch an Schuhen und Skiern, die wir irgendwann recyceln werden können.

Das ist in der Entwicklung?
WOLFGANG MAYRHOFER: Ich will mir keine Zeitlinie setzen, aber es gibt Überlegungen, wie wir Schuhe und Skier recyceln. Das ist ein bissl Zukunftsmusik.

Mit Marcel Hirscher und Mikaela Shiffrin fahren die zwei größten Stars des Skizirkus auf ihren Ski. Wie sehr spürt man das wirtschaftlich?
WOLFGANG MAYRHOFER: Für die Marke ist es sehr wichtig. Marcel Hirscher gibt Kompetenz an uns ab und umgekehrt – das ist ein Wechselspiel: Wir entwickeln für ihn Produkte, er entwickelt mit uns Produkte. Gleich verhält es sich mit Mikaela Shiffrin. Solche Touch Points, wie sie uns die beiden ermöglichen, sind ein massiver Glücksfall. Wenn du so viele Rennen gewinnst, wenn du so viel im Fernsehen bist, wenn du so aktiv in den sozialen Medien bist und eine so große Zahl an Followern hast, ist das natürlich sehr positiv für Atomic. Wir sind total happy, weil Mikaela und Marcel darüber hinaus wirklich extrem sympathisch sind. Sie verkörpern auch beide exakt die Kernwerte, für die unsere Marke steht: Passion, Performance, Ambition.

Marcel Hirscher und Mikaela Shiffrin sind die Vorzeigeathleten von Atomic © Atomic/Daniel Götzhaber
Marcel Hirscher und Mikaela Shiffrin sind die Vorzeigeathleten von Atomic © Atomic Austria GmbH / Daniel Götzhaber

Ist man darauf vorbereitet, sollte Marcel Hirscher plötzlich seine Karriere beenden?
WOLFGANG MAYRHOFER: Hier hilft uns unser Scouting: Wir sind vom Schülerrennen über die Nachwuchs-Weltmeisterschaften bis zum Weltcup überall vertreten und sehen zu, dass uns der Nachschub nicht ausgeht. Wir haben auch Juniorenweltmeister, die für uns fahren. Sobald uns jemand auffällt, der gut ist, versuchen wir ihn oder sie langfristig zu binden – wie wir es bei Hirscher und Shiffrin gemacht haben. Aber ich glaube, dass Hirscher auch nach den Olympischen Spielen weiterfahren wird.

Spürt man eigentlich den heißen Atem vom Mitbewerber Head, der vor allem im Weltcup eine bemerkenswerte Performance hinlegt?
WOLFGANG MAYRHOFER: Head ist eine gute Marke, hat aber eine andere Politik als Atomic. Wir sind ein börsennotiertes Unternehmen und haben sicher schärfere Parameter. Wir müssen gut wirtschaften und nachhaltig profitabel sein. Head ist nicht mehr börsennotiert und Eigentümer Johan Eliasch kann seine Leidenschaften etwas anders ausleben als wir. Er hat sicher ein anderes Marketingbudget und speziell ein Rennsportbudget. Ich halte uns aber für breiter aufgestellt – eben auch abseits der präparierten Pisten.

Seit 1994 gehört Atomic zum finnischen Konzern Amer. Wie österreichisch ist der Konzern heute noch?
WOLFGANG MAYRHOFER: Wir haben in Österreich zwischen 900 und 1000 Mitarbeiter und Atomic ist eine österreichische Marke. Es gibt nicht so viele heimische Marken, die Weltmarken sind. Atomic ist so eine. Und als Österreicher kann man stolz auf die Marke sein. Zudem ist die Zukunft langfristig abgesichert und es wird in Altenmarkt noch mehr Investitionen in Produktion, Forschung & Entwicklung sowie in die Logistik geben. Ja, wir sind in einer Holding von Amer Sports. Aber die Wettbewerbsentscheidungen werden in Österreich getroffen.

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