Pistentiger

Ski fahren im Niemandsland

Matthias Mayr und Matthias Haunholder in der Eiswüste © Johannes Aitzetmüller
Matthias Mayr und Matthias Haunholder in der Eiswüste © Johannes Aitzetmüller

Nach Sibirien geht es in die Antarktis: Die beiden Extremskifahrer Matthias Mayr und Matthias Haunholder nehmen das Publikum in ihrem neuen Film „No Man’s Land“ mit in die menschenfeindlichste Gegend der Erde. Und schnallen dort natürlich die Ski an. 

Unsereins ist ja recht bescheiden, was Skigebiete angeht, solange gute Pisten und komfortable Lifte vorhanden sind. Man möchte vielleicht einmal die Kitzbüheler Streif bezwingen oder am Arlberg ein paar Tiefschneeschwünge ziehen. Die ganz ambitionierten träumen vom Heli-Skiing in Kanada. Matthias Mayr und Matthias Haunholder gehen da einen Schritt weiter. Nachdem die beiden Extremskifahrer schon so gut wie jeden verschneiten Hang, der nur irgendwie erreichbar ist, befahren haben, steckten sie sich im Jahr 2016 ein neues Ziel: Ski fahren in der Antarktis. In ihrem neuen Film „No Man’s Land“, den sie vom südlichsten Punkt der Erde mitgebracht haben, heißt es ganz trocken „Antarctica wants you dead“ – zum genüsslichen Skifahren zwischen Pinguinen also nicht unbedingt die besten Voraussetzungen. Wenn Matthias Mayr und Matthias Haunholder ihre Ski anschnallen, geht es aber auch nicht (nur) um Genuss.

Aber zurück zum Anfang. Nachdem den beiden Abenteurern die erste Abfahrt auf Ski von einem der höchsten Gipfel Sibiriens gelungen ist – zu sehen im Film „The White Maze“ – steckten sich Mayr und Haunholder ein neues Ziel: Die Antarktis mit Ski bewandern, Berge erklimmen und steile Abfahrten zu bezwingen – und alles auf Film festhalten. 15 Monate nach der ersten Planungsarbeiten wurde Anfang Oktober der fertige Streifen in der Münchner BMW Welt präsentiert. Während der Großteil der 70 Minuten erwartungsgemäß in unmittelbarer Nähe des Südpols spielt, nehmen die ersten Minuten das Publikum erstmals „nur“ nach Tarifa, der südlichsten Stadt des europäischen Festlandes mit. Bei 30 Grad Außentemperatur und im Strandoutfit schwingen sich Mayr und Haunholder erstmal aufs Brett – von Ski aber weit entfernt. Die beiden lernen Kitesurfen und das bei schwierigen Bedingungen. Es heißt, wenn man in Tarifa Kitesurfen kann, dann kann man es überall, auch in der Antarktis, wo anstelle eines Surfbretts zwei Ski an den Füßen der beiden Sportler hängen und der Kite für ein flottes Weiterkommen sorgen soll. Ohne Schneekatzen, Skidoos und ähnlichem die einzige Möglichkeit, um sich in den ewigen weißen Weiten schneller fortzubewegen. 

Ins ewige Eis geht es dann schneller als erwartet. Mit einem russischen Flugzeug, speziell für das Landen auf Schnee konzipiert, fliegen Matthias Mayr, Matthias Haunholder und Kameramann Johannes Aitzetmüller vom argentinischen Festland mitten in die Antarktis. Im Basislager sind sie die einzigen, die nicht aus wissenschaftlichen Gründen diese Reise angetreten haben. Sie sind überhaupt die ersten und einzigen, die jemals zum Skifahren dorthin geflogen sind. Die Abfahrten muss sich das insgesamt dreiköpfige Team – auch Kameramann Aitzetmüller wird öfter vor die Linse geholt – erst hart erarbeiten. Mit 100 Kilogramm schweren Schlitten nähern sich die Sportler nach stundenlangen Märschen den Bergen, aufgrund von Windstille blieben die Kites gut verpackt. Distanzen in einer rein weißen Landschaft ohne Anhaltspunkte einzuschätzen, ist auch mit modernster Technik kaum möglich. Der Marsch zum anvisierten Berg kann „fünf, aber auch gute zehn Kilometer lang sein“, stellt Mayr ernüchtert fest. Das lange Gehen, die Kälte und die Unberechenbarkeit ihrer Umgebung zehrt an den Kräften.

Nach ein paar Probefahrten brechen Mayr und Haunholder zum Höhepunkt ihrer Reise an, ein steiler Hang im bis zu 5000 Meter hohen Ellsworthgebirge. Nicht nur der Aufstieg macht ihnen Schwierigkeiten, auch die Aufnahmetechnik spielt nicht immer mit. Kameramann Aitzetmüller macht das Unmögliche möglich und lässt die abgestürzte Drohne wieder steigen, gerade rechtzeitig, um die große Abfahrt festzuhalten. Es sind Bilder, die so bald nicht wiederholt werden. Haunholder und Mayr stürzen sich unter einer meterhohen Wechte in den steilen Hang und rasen durch unverspurten Schnee. Weichen Pulver finden die beiden nicht, aber hier geht es auch nicht um Genussskifahren. Etwas viel Größeres ist den beiden gelungen: Zum ersten Mal in der Antarktis Skizufahren. Der Rückweg zum Basislager entartet schlussendlich zum wahrhaften Polarabenteuer. Nur so viel sei verraten: Kiten ist doch nicht bei jedem Wind und Wetter empfehlenswert. 

Insgesamt ist Matthias Mayr und Matthias Haunholder, die schon seit über zehn Jahren in der Freeride- und Actionsportszene erfolgreich aktiv sind, ein eindrucksvoller Streifen von der Umsetzung einer als unmöglich geltenden Idee gelungen. Fantastische Drohnenaufnahmen vom Niemandsland kompensieren gelegentliche Tonprobleme und versetzen die Zuseher auf einen anderen Planeten, so unwirklich wirkt das antarktische Festland. Aber Achtung: Von Pinguinen und Robben ist weit und breit nichts zu sehen 😉

„No Man’s Land“ ist am 13. und 16. Oktober in einer Vielzahl Österreichischer Kinos und am 20. Oktober im Rahmen der Alpinmesse Innsbruck zu sehen.

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