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Von der Plastikflasche zur Skijacke

Ein Skianzug wie jeder andere – aber aus recyceltem Polyester © PYUA
Ein Skianzug wie jeder andere – aber aus recyceltem Polyester © PYUA

Ein ewiger Recyclingkreislauf, also aus alter Skibekleidung wieder neue machen, ist die Vision der deutschen Marke PYUA. Noch ist aber nicht genügend Material vorhanden und so greift PYUA für seine Öko-Skihosen, Jacken und Fleecepullis einfach auf PET-Flaschen zurück.

Als Erfolgssgeschichte bezeichnet Timo Perschke, Gründer der Marke PYUA, sein Kieler Unternehmen nicht. Vor zehn Jahren war er der Meinung, dass er als First Mover mit „Gold-Rosi bringt Öko-Skikollektion raus“ die Bekleidungsbranche revolutionieren würde. Obwohl mit Rosi Mittermaier und Christian Neureuther, den Eltern von Slalom-Star Felix Neureuther, zwei bekannte Ski-Gesichter Modell standen, floppte die Kollektion. Heute macht PYUA aus ökologischer Sicht immer noch die gleichen Produkte wie vor zehn Jahren: Jacken und Hosen aus alten PET-Flaschen. Nur die Anwendungsform und die Zielgruppe haben sich geändert. „Bekleidung für das alpine Skifahren hat sehr modische, körpernahe Schnitte. Aufgrund unseres Recyclingprozesses können wir das aber nicht abbilden. So sind wir mit der Zeit im Freeride-Segment gelandet“, erklärt Perschke. Dort hat er bei den 25- bis 40-Jährigen eine Nische gefunden, die immer mehr „ein Herz für Öko“ zeigt. 

Für die Herstellung der Produkte verwendet PYUA ausschließlich sortenreines Polyester. Das findet sich in PET-Flaschen genauso wie in Arbeitskleidung, Kreditkarten oder Sitzbezügen öffentlicher Verkehrsmittel. „Ein Textilaufbereiter aus Hamburg, der sich seit über 100 Jahren mit diesem Thema beschäftigt, hat uns eine Bauanleitung geschreiben“, erzählt Perschke. Zuerst werden die „Polyesterträger“ gehechselt, dann kommen sie auf ein Rüttelband, ein Magnetband und in ein Tauchbecken. Jetzt sollte alles, was nicht Polyester ist, aussortiert sein. Diese Stoffe landen in minderwertigen Baumaterialien wie zum Beispiel Trockenbauwänden. Das reine Polyester wird chemisch aufbereitet, entfärbt, zu einem Faden gesponnen und schließlich zu einem neuen Stoff gewoben. Daraus stellt PYUA seine Hosen, Fleecejacken oder Shells her. 

„Die Idealvorstellung ist ein Kreislauf,“ erklärt Timo Perschke seine Idee weiter. Auf lange Sicht will der Kieler aus seinen eigenen alten Outfits neue machen. „Wir bekommen derzeit aber noch nicht genügend PYUA-Produkte, um daraus ein neues zu machen.“ 20 Tonnen Material würden benötigt werden, um den Kreislauf anzuschieben, aber noch hat PYUA nicht so viele Jacken zurückbekommen. „Es wäre auch ein Armutszeugnis, denn der Durchschnittsdeutsche hat seine Skijacke 25 Jahre lang“, lacht Perschke. So bleibt es derzeit bei dem Plastikflaschen-Kreditkarten-und-Co-Mix. 

Im vergangenen Jahr konnte PYUA einen Umsatz von 800.000 Euro verzeichnen, heuer sind zwei Millionen anvisiert und im nächsten Jahr soll nochmal verdoppelt werden. „Der Konsument merkt jetzt, dass es auch etwas anderes gibt“, sagt Perschke stolz. Warum der Wandel so langsam eintritt? Timo Perschke ortet das Problem im Fachhandel: „Einerseits sind wir eine sehr beratungsintensive Marke und nicht günstig. Das sind die anderen nicht-Öko-Produkte aber auch. Bei uns hat der Händler das Problem, dass, wenn er erzählen würde, wie gut wir sind, er den Rest in seinem Laden abwertet. Dazu hat er nicht den Mut.“

PYUA wünscht sich einen ewigen Recyclingkreislauf © PYUA
PYUA wünscht sich einen ewigen Recyclingkreislauf © PYUA

PYUA’s stärkster Markt sind die Fremdenverkehrsgebiete in Österreich, wo ausgesuchte Fachhändler die Kleidungsstücke exklusiv im Sortiment haben. In Deutschland sei die Strategie eine ganz andere. „Nördlich von Freising gibt es einfach keine unwattierten Skijacken für 400 Euro. Da muss man schauen, dass man sein Geschäft zwischen München und Rosenheim macht“, berichtet der PYUA-Gründer. Rund 700 Euro kostet eine Hosen-Jacken-Kombination von PYUA, Performanceeigenschaften wie Wasserdichte oder Luftdurchlässigkeit seien natürlich selbstverständlich. Und ob man mit dem Outfit Ski fährt, oder doch lieber boardet, ist egal, denn „unser Fokus liegt einfach auf dem Schneesport“, sagt Perschke. 

Wer jetzt Interesse an der Marke hat, aber nicht weiß, wie er nach den Produkten fragen soll: PYUA spricht sich wie „pure“ und kommt aus dem Japanischen. Es bedeutet „rein“ sowie „unendlich“ und steht für den Rücknahmekreislauf, den Perschke mit seinem Unternehmen erreichen möchte.