Snow-How

Wenn ich groß bin, werde ich Rennfahrer

Krafttraining gehört ebenso zum Skirennfahren wie Kondition und Technik © TS Bad Hofgastein
Krafttraining gehört ebenso zum Skirennfahren wie Kondition und Technik © TS Bad Hofgastein

Mindestens 20 Stunden Sport pro Woche eingebettet in Deutsch-, Mathe- oder Geschichtsunterricht. Alles mit dem Ziel, den Sprung in den Ski-Weltcup zu schaffen. 384 Mädchen und Burschen besuchten vergangenes Jahr eine von Österreichs Schulen mit skisportlichem Schwerpunkt. In der Skitourismusschule Bad Hofgastein gibt es nach dem Stangentraining noch gastronomische Praxis und einen Hoteleinsatz.

Einmal selbst wie Marcel Hirscher oder Mikaela Shiffrin als umjubelter Sieger im Ziel abschwingen – der Traum so mancher Skizwerge vor dem Fernseher. Doch eine Karriere als Ski-Profi geht mit einer harten Ausbildung einher, die schon in früher Kindheit anfängt. Wer die Ski schon beherrscht, fährt erst mal bei Kinder- und Schülerrennen mit. Die Mitgliedschaft in einem Skiclub sorgt für gute Trainingsbedingungen. Für diejenigen, die Podeste im Weltcup einfahren wollen, führt der Weg an einer von Österreichs acht Ski-NMS (Neue Mittelschule) oder den fünf mittleren und höheren Schulen mit skisportlichem Schwerpunkt – wie Stams, Saalfelden oder Schladming – kaum vorbei. Der Skisport ist übrigens die einzige Sportart, für die das österreichische Schulsystem eigene Sonderformen vorsieht. 

Für die Skitourismusschule Bad Hofgastein war die abgelaufene Skisaison sowohl für ihre Schüler als auch Absolventen die erfolgreichste seit ihrem 23-jährigen Bestehen. Kein Wunder, haben hier Marcel Hirscher, Anna Veith, Max Franz und viele andere aus dem Weltcup bekannte Profis die Schulbank gedrückt. In ihrer Form als „Höhere Lehranstalt für Tourismus und Ski“ ist die TS Bad Hofgastein einzigartig in Österreich. Wie der Name schon sagt, steigen die Schüler in diese Kaderschmiede erst nach erfolgreichem Abschluss der AHS-Unterstufe bzw. einer Neuen Mittelschule ein. Neben guten Noten spielen bei der Vergabe der 20 bis 23 Plätze natürlich die skisportlichen Fähigkeiten die Hauptrolle: An zwei Prüfungstagen im Frühjahr stellen sich durchschnittlich 40 Bewerber einer skitechnischen und einer sportmotorischen Aufnahmeprüfung. Slalom und Riesentorlauf auf Zeit sind ebenso ausschlaggebend wie Technik, Koordination und die konditionelle Verfassung der Buben und Mädchen. 

Die Ausbildung ist bei Mädchen und Burschen beliebt © TS Bad Hofgastein
Die Ausbildung ist bei Mädchen und Burschen beliebt © TS Bad Hofgastein

Über zu wenig Nachwuchs kann sich Direktorin Maria Wiesinger nicht beklagen: „Die Nachfrage ist ausgezeichnet, bei Mädchen und Burschen.“ Der Großteil der Schüler stammt natürlich aus Österreich, es gibt aber auch Japaner, Rumänen und Schweizer in den Klassen. „Die Schule war immer schon sehr international, der Anteil an ausländischen Schülern liegt bei circa fünf Prozent“, sagt Wiesinger. 

Im Gegensatz zu anderen berufsbildenden höheren Schulen dauert die Ausbildung in Bad Hofgastein sechs Jahre. Das eine Jahr mehr ist der umfangreichen Fokussierung auf den Skisport geschuldet. In den ersten vier Jahren umfasst die skisportliche Ausbildung mindestens 20 Wochenstunden, im Jänner und Februar steht sogar fast ausschließlich Training am Programm. Neben Konditions- und Krafttraining steht in den Wintermonaten das Ski- und Rennfahren im Vordergrund. Mit der Schlossalm und dem Stubnerkogel in Bad Gastein gibt es auf den Hausbergen optimale Trainingsstrecken. 

Die Trainingsstrecken liegen in unmittelbarer Nähe zur Schule © TS Bad Hofgastein
Die Trainingsstrecken liegen in unmittelbarer Nähe zur Schule © TS Bad Hofgastein

Auch in den Ferien geht es mit dem Training weiter. Vor allem die langen Sommermonate bilden eine wichtige Grundlage für Kondition und Kraft. „Während der Sommermonate erhalten alle Schüler ihren eigenen personalisierten Trainingsplan und stehen mit ihren schuleigenen Trainern in ständigem Kontakt“, erklärt Gernot Wagner, skisportlicher Leiter der Skitourismusschule Bad Hofgastein. 

Ab dem fünften Jahrgang trennt sich schließlich die Spreu vom Weizen: „Durch die Entwicklung der einzelnen Skirennläufern und der Selektionierung in den einzelnen Kadern nehmen ab dieser Stufe nur noch Athleten mit Kaderstatus das Schnee- und Konditionstraining im Hochleistungssystem in Anspruch“, so Wiesinger. Durchschnittlich betrifft das ein Drittel eines Jahrgangs. „Diese aktiven Rennläufer werden von den schuleigenen Trainern in Zusammenarbeit mit den einzelnen Kadern betreut“, so Wiesinger weiter. Und die restlichen zwei Drittel? Mindestens sieben Stunden Sport schreibt der Studienplan wöchentlich vor, den alle Schüler verpflichtend ausüben müssen. 

Von anfangs rund 20 Schülern pro Jahrgang schaffen es also etwa sieben in einen Kader. Bleibt die Frage offen, wie viele den Sprung in die Weltklasse schaffen? „Zwei bis drei pro Jahr“, klärt Direktorin Wiesinger auf. Und damit gesellen sich die wenigen „Durchbeißer“ zu Namen wie Hans Grugger, Philipp Schörghofer, Max Franz, Nadine Fest, Anna Veith, Marcel Hirscher und einigen mehr. 

Die Nachfrage nach den Ausbildungsplätzen wie hier bei der Aufnahmeprüfung 2018 bleibt ungebrochen © TS Bad Hofgastein
Hoffnungsvolle Gesichter bei der Aufnahmeprüfung 2018 © TS Bad Hofgastein

Neben dem skisportlichen Ausbildungsfokus bereitet die TS Bad Hofgastein aber auch auf ein Leben nach bzw. ohne den Skisport vor. Die Schüler erhalten Einblicke in Management, Marketing, Eventorganisation, Sportbiologie und Trainingslehre und verfügen mit einem Abschluss nicht nur über die Matura, sondern auch über eine Gewerbeberechtigung für Hotellerie, Gastronomie und Reisebüro. „Einige studieren Sportwissenschaften, viele absolvieren den D-Trainer und C-Trainer und sind später bei Landesskiverbänden oder dem ÖSV tätig. Manche arbeiten im elterlichen Betrieb oder in Skischulen oder -Firmen“, erzählt Wiesinger. 

Die Aufnahmeprüfungen für das kommende Schuljahr hat heuer Anfang April stattgefunden. 39 Bewerber nahmen an den Aufnahmeprüfungen teil, 21 von ihnen bekamen einen der begehrten Schulplätze. Wir drücken den Hirschers und Veiths der nächsten Generation die Daumen.