Neu Pistentiger

„Es gibt keinen Plan B!“

Ein perfekter Skitag © Skiing Penguin

Josef Burger, Chef der Bergbahn AG Kitzbühel, blickt am Ende seiner beruflichen Laufbahn positiv in die Zukunft des Wintertourismus. Zumindest solange es Schnee und Skifahrer gibt.

Es war so etwas wie ein verfrühtes „Pfiat eich“, aber weit weg von Wehmut. Im Gegenteil. Ehe Josef Burgers Amtszeit als Chef der Bergbahn AG Kitzbühel demnächst zu Ende gehen wird, nützte er den schon beinah traditionellen „Hoangascht“ von Kitzbühel Tourismus für eine regelrechte Motivations-Injektion bei der versammelten Menge. Außerdem konnte man zum ersten Mal von einer Menge sprechen, die diesen Begriff auch verdient. Es gab schon (lehrreiche) Vorträge im Rahmen des „Hoangascht“ mit 30 Zuhörern. Diesmal kamen rund 110 Branchenkollegen und Interessierte und das lag nicht nur am Thema „Schnee von gestern – Wachstum von morgen“, sondern wohl auch an der Beliebtheit des leidenschaftlichen Managers Josef Burger.

Der gebürtige Westendorfer versteht sich gut darin, auch in drohendem Ungemach eine Chance zu sehen. „Die Klimaveränderung wird uns immer öfter einmal drei statt vier Jahreszeiten bescheren – der Sommer zieht sich viel öfter in den Herbst hinein. Aber dafür haben wir eine Art ,Indian Summer‘ und der ist wunderschön. Nur für die Beschneiung nicht und deshalb heißt es Vorsorge treffen“, spricht Josef Burger die riesigen Schneedepots auf Resterhöhe, Hahnenkamm und Gaisberg an. Mit dem Haufen Altschnee auf der Resterhöhe startet Kitzbühel übrigens am 19. Oktober in die Skisaison. 

Josef Burger beim Hoangascht am 2. Oktober © Skiing Penguin
Josef Burger beim Hoangascht am 2. Oktober © Skiing Penguin

Auch wenn die durchschnittliche Wintertemperatur auf dem 1600 Meter hohen Hahnenkamm in den letzten 30 Jahren um 1,1 Grad zurückgegangen ist, es also kälter wurde, „hat sich die natürliche Schneegrenze in den letzten 100 Jahren um 90 Meter nach oben verschoben und die Schneebedeckung im Tal ging im selben Zeitraum um elf Tage zurück“, weiß Josef Burger und erklärt stolz: „In den letzten zwölf Jahren haben wir die Anzahl der Skibetriebstage um mehr als die Hälfte, auf zuletzt 201, anheben können.“ Der Grund liegt freilich nicht nur am wetterbedingten Niederschlag. „Seit 2006 haben wir die Zahl der Schneeerzeuger um 800 erhöht“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Bergbahn AG Kitzbühel, die derzeit 1116 Schneekanonen und -Lanzen ihr Eigen nennt. Aber warum dieser irrsinnige technische Einsatz? „Zu Weihnachten machen wir ein Fünftel unseres Geschäfts. Wenn wir da ramponiert beginnen, tut das niemandem gut“, sagt Josef Burger und meint freilich die gesamte Tourismusbranche. Nicht nur in Kitzbühel.

Für den Manager, der 2008 von Austrian Airlines zur Bergbahn wechselte, sei die aktuelle Situation aber „weder ein Grund für Schnee-Untergangsprognosen, noch für Schnee-Euphorie“. Ab dem Jahr 2050 werde der Wintersaisonstart laut Prognosen unter 1400 Meter Seehöhe nur mit sehr viel Einsatz zu bewerkstelligen sein, in den Lagen darüber werde es „nach heutigem Ermessen, aber ohne wesentlich größeren Ressourcenaufwand als jetzt möglich sein“, ist Josef Burger zuversichtlich. 

Auch dass die Zahl der Skifahrer insgesamt stagniert, bereitet ihm kein Kopfzerbrechen. Immerhin gebe es schätzungsweise 130 Millionen Skifahrer weltweit. „Und Österreich ist in Sachen Wintersport die Destination Nummer 1 in Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz. In Großbritannien sind wir die Nummer zwei“, zählt Josef Burger auf. Die Zukunft in Sachen Gäste liegt für ihn im Osten Europas: „In Polen gibt es 4,5 Millionen Skifahrer, in Russland 4,3 Millionen und in Tschechien 2,2 Millionen“ – das seien die kommenden Märkte. 

Josef Burgers Fazit nach über zehn Jahren an der Spitze der Bergbahnen Kitzbühel klingt so: „Schnee ist nicht alles, aber ohne Schnee im Winter ist alles nichts.“ Ergänzende Angebote wie Winterwandern oder etwa Langlaufen seien natürlich wichtig, aber das wirtschaftliche Rad drehen die Skisportler. „Eines muss ich ernüchternd sagen“, lässt Josef Burger aufhorchen: „Es gibt keinen Plan B!“ Weder für den Skisport noch den Schnee. Statt Trost spendet Josef Burger Motivation und Zuversicht: „Die Nachfrage wird auch in Zukunft auf hohem Niveau nicht einbrechen. Denn der Winter und die in weiß gehüllte Landschaft strahlt auf die Menschen eine tiefenpsychologische Attraktivität aus, die nur mit dem Meer vergleichbar ist.“ Und auch dorthin reist der Mensch seit jeher gerne. Ungebrochen. 

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