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Abseilen mit Gebirgssoldaten

Bergbahn und Bundesheer als Rettungsteam © Skiing Penguin
Bergbahn und Bundesheer als Rettungsteam © Skiing Penguin

Um die Rettungskapazitäten wesentlich zu stärken, kooperiert die Bergbahn AG Kitzbühel mit den Gebirgssoldaten der Garnison St. Johann in Tirol nun auch bei Liftbergungen. An der Wagstättbahn in Jochberg wurde nun der Ernstfall geübt: Passagiere aus einer Gondel abseilen. 

In einer Gondel hoch über festem Boden auf Rettung zu warten, ist eigentlich schon unvergesslich genug, aber mit welch einem Krach die Türe aufgeht, wird sie von Einsatzkräften von außen manuell geöffnet, ist auch eine bleibende Erinnerung. „Alles in Ordnung“ beruhigt der Mann am Seil aber umgehend, nachdem er die Kabine – in Superman-Manier – „schwebend“ betreten hat. Das Bergegeschirr, in das es nun zu steigen gilt, ist so simpel konzipiert, dass es sich sogar im Sitzen anziehen lässt: erst die Hände, dann die Beine, anschließend wird ein Karabiner befestigt und los gehts. Eine kleine Portion Mut ehe man sich aus der Gondel abstößt und schon geht es am Seil gemächlich nach unten. Für das richtige Tempo und eine sanfte Landung sorgt der Retter am Boden. Keine zwei Minuten nach dem Eintreffen von „Superman“ steht man wieder auf der Erde.

Die jüngste Übung der Gebirgssoldaten der Garnison St. Johann in Tirol fand am Mittwoch bei herrlichem Augustwetter an der Wagstättbahn in Jochberg statt. Seit heuer kooperiert die Bergbahn AG Kitzbühel bei Liftbergungen auch mit Berufssoldaten aus der Nachbargemeinde. Die Männer vom Österreichischen Bundesheer bringen sowohl alpine Erfahrung („Gebirgsqualifizierung“) als auch die Kraft mit, sich auf Stützen und Seilen sicher und schnell vorwärts zu bewegen. Einschulung und Ausrüstung kommen von der Bergbahn: von Steigklemmen über Bergegurte bis zu den Seilen und dem zwölf Kilo schweren Seilfahrgerät – dem Herzstück der Fortbewegung im Einsatzfall. Damit gelangen die Einsatzkräfte von der Stütze bis zur Kabine, die es zu evakuieren gilt. Für die Gebirgssoldaten ist die Ausrüstung ein Leichtes, denn immerhin klettern sie im Einsatzfall natürlich ohne ihren schweren Kampfanzug und freilich unbewaffnet.

Am Seilfahrgerät (blau) geht es von der Stütze auf die Gondel © Skiing Penguin
Am Seilfahrgerät (blau) geht es von der Stütze auf die Gondel © Skiing Penguin

Für die Einführung in das (Rettungs-) System der Bergbahnen sorgte an diesem Tag Andreas Werlberger, stv. Betriebsleiter in Jochberg: „In Österreich sind Betreiber der Bergbahnen dafür verantwortlich, die Bergung zu organisieren. Unterstützend sind die Bergrettung und seit heuer auch das Bundesheer mit dabei.“ Geübt wird ein Notfall in Folge eines defekten Seilscheibenlagers bzw. einer Seilentgleisung. In beiden Fällen käme die Bahn zum Stillstand und die Passagiere müssen evakuiert werden. Realität wurde der Übungsfall erst im letzten Winter, als ein Sturm die Hornbahn zum Stillstand gebracht hat, nachdem sich eine unbemannte Gondel bei der Einfahrt in die Station verkeilt hatte.

Um die Wege kurz zu halten, wurde an der Wagstättbahn diesmal zwischen Talstation und der ersten Stütze geübt. „Im Falle eines Einsatzes, ist die gesamte Länge der Bahn in Sektoren aufgeteilt, die durch einzelne Bergetrupps besetzt werden“, sagt Hauptmann Gernot Strobel. Technisch wäre es sogar möglich, eine Gondel mit einem Retter zu evakuieren: „Das gibt es bei der Bergbahn AG Kitzbühel aber nicht. Ein Retter ist bei der Gondel, einer immer am Boden, der die Passagiere in Empfang nimmt“, erklärt Andreas Werlberger. Fände die Evakuierung in unwegsamen und steilem Gelände statt, würde schräg abgeseilt und nicht senkrecht. Diesmal heißt es auf gut Tirolerisch: „Bissl steil isch, aber nit schiach.“

Nur noch wenige Meter bis zur geglückten Rettung © Skiing Penguin
Nur noch wenige Meter bis zur geglückten Rettung © Skiing Penguin

Um auf so viele Eventualitäten wie möglich vorbereitet zu sein, schlüpft auch „Lucky“, Andreas Werlbergers Hund, in die Rolle eines Gondel-Passagiers. Auch für Vierbeiner hat die Bergbahn AG Kitzbühel ein passendes Bergegeschirr und es scheint ganz angenehm zu sitzen. Denn entspannter als „Lucky“ landete keiner auf dem Boden. Kein Knurren, kein Jammern, kein Bellen. Fast schien es so, als hätte der Hund Lust auf einen zweiten Durchgang. Aber die nächste Übung kommt bestimmt …

Ein Best-of der Bergeübung im Video:

Josef Burger, Vorstand der Bergbahn AG Kitzbühel, freut sich über die Ausweitung der Zusammenarbeit mit dem Bundesheer: „Die Bergbahn AG Kitzbühel und das Österreichische Bundesheer, im speziellen die Jägerbataillon 24, pflegen schon seit geraumer Zeit eine intensive Partnerschaft. Bietet die Jägerbataillon 24 zum einen wertvollste Assistenzleistung bei Organisation und Durchführung von Übungen und Einsätzen im Liftbergungsbereich, Elementarereignissen wie Lawineneinsätzen oder Suchaktionen, so unterstützt die Bergbahn Kitzbühel bereitwillig das Österreichische Bundesheer in der Schulung mit modernsten Liftbergegeräten oder auch durch Bereitstellung digitaler Handfunkgeräte.” Die Partnerschaft bedeute für die Bergbahn Kitzbühel eine „wesentliche Stärkung der Rettungs- und Hilfskapazitäten für unsere Gäste und ist eine echte Herzensangelegenheit“, sagt Josef Burger.